Das kleine Elend oder der Versuch einer Entschuldigung bei M. und F.

Als Martin erwachte, war er nicht imstande, den Tellerrand zu erkennen, der ihn umgab. Er hatte gestern Abend einsam an seinem Strand zwei Kartons Weißwein geleert und mit Grausen festgestellt, daß sich ihm der Horizont näherte. Die unendliche Fläche über Himmel und Erde, geteilt von einer weißen Gischt an den ferneren Sandbänken des Ozeans, die ihn zu verschlucken drohte. Eine leichte warme Brise streichelte Martin und veranlaßte ihn, sich vollständig zu entkleiden. Il était entièrement nu. Im Wasser setzten ihm seine bruchstückhaften Physikkenntnisse zu und er stellte fest, nicht genau zu wissen, warum er nicht versank. Die Ebbe zog ihn hinaus, er meinte Sirenenklänge zu hören und ließ sich treiben. Wie war er in sein Bett gekommen? Martin sah eine kopflose Nixe mit gigantischen Brüsten vor sich, die ihm ständig einen Schups gab und aus dem Wasser schob. Er wußte, daß es keine Nixen gab, aber auf die schwarze Schwanzflosse hätte er geschworen. 

Martin war ein deutscher Journalist, dem es bis vor Kurzem regelmäßig gelungen war, seine eigene Kolumne in einer der als Journaille oder Zentralorgane verrufenen Presseerzeugnisse am Leben zu halten und dennoch in den Spiegel gucken zu können, ohne daß ihn eine Schamesröte erschreckte. Sein Bruder Gerd hatte ihm die Medizin und deren Tücken nahegebracht. Somit konnte er seine Leser mit interessanten Details über Korruption, Missmanagement und Scharlatanerie informieren. Jetzt war er entlassen worden und keinen hatte es interessiert. Ein Angebot der sogenannten freien Presse schlug er aus. Ihm war es zuwider, Einzelfälle aufzulisten oder zu beschreiben. Ihm hätte gefallen, eine Leserschaft vorzufinden, die der Abstraktion mächtig war. Er verscherbelte seinen neuwertigen Van, nahm die dreißigtausend Euro und kaufte sich ein winziges Gartenhaus, das dem Verfall preisgegeben war, direkt an der Silberküste. Mit dem Land verbanden ihn die Liebe zur französischen Sprache und die Lebensart. Käse, Baguette und Wein waren ihm nicht fremd. Das alles hatte auch Deutschland zu bieten, nur an der Art und Weise, stieselig zu genießen und eben nicht inne zu halten, hatte Martin keine rechte Freude. Er lebte seit vier Wochen in dieser selbstgewählten Einsamkeit und hatte bereits eine Freundin. Mireille war mit ihren fünfundzwanzig Lenzen zwanzig Jahre jünger als er und besuchte ihn überraschend. Sie sagte, sie käme auf Empfehlung ihrer Mutter, der Maklerin, die ihm das Haus erst gar nicht verkaufen wollte. Diese habe sie gebeten, nach ihm zu sehen und ihm beim Lernen der Sprache zu helfen. Hier wäre sie nun. Mireille war eine dieser Frauen, die Männer nicht anschauen konnten, ohne ihr kaudales Vegetativum zu aktivieren. Sie war aus Martins Sicht ein prächtiges Mängelexemplar. Fast zu große Brüste, ein beinahe zu mächtiges Becken und um ein Haar zu gierige Lippen. Brünett, braungebrannt und mit einer zum Himmel schreienden, herzlichen Naivität gesegnet, stand die junge Frau in der Tür und sagte ihren Spruch. Martin bat sie herein und bot ihr den kleinen Ohrensessel an. Er hatte bereits seinen Spiegel erreicht, der ihn ohne Zittern sein Tagwerk verrichten ließ. Dieses bestand im Schreiben von Texten, die außer ihm keiner lesen würde. Mireille war mit dem Fahrrad gekommen und schlug das erste Glas des vorzüglichen Bordeaux, der dem von der Unstrut in nichts nachstand, nicht aus. Martin hatte bereits so viel intus, daß ihm alle Frauen als begehrenswert erschienen und sprühte förmlich vor einer Art von Charme, der bisher auch hartgesottene Feministinnen weich, sanft und natürlich werden ließ. Die junge Frau fühlte sich nach einer Stunde dann so frei, auch das vierte Glas zu leeren und antwortete auf die Frage, ob sie sich mit ihren Schwestern ebenso gut verstünde, wie mit ihrem Vater: »Martin, ich habe Lust. Wo ist denn Ihr Bett?« 

Gestern hatte Mireille ihm mitgeteilt, für zwei Wochen in die Bourgogne zu reisen, um wie jedes Jahr die Großeltern zu besuchen und ihnen bei der Ernte von  Äpfeln und Schattenmorellen zu helfen. Er solle sie bittebitte nicht vergessen, sie würde ihn in ihrem Herzen mitnehmen. Martin hatte es bis dahin schlitzohrig verstanden, sein großes Verlangen nach Betäubung auf wenige Minuten nach hinlänglich erfolgreich vollzogenem Akt zu reduzieren und Mireille hatte keine Ahnung von seinem Dilemma. Sie war begeistert von seinem Stehvermögen und manchmal schien es Martin, als wäre sie süchtig nach intimer Vereinigung, Streicheleinheiten ohne Ende und seiner Liebe.

Martin stand auf und ging mit wackeligen Schritten in das kleine Badezimmer. Dieses glänzte seit Mireille regelmäßig bei ihm übernachtete. Sie war stellvertretende Geschäftsführerin in einem kleinen Hotel des beliebten Urlaubsortes und wußte, Hand anzulegen. Martin hatte ihr gaukelnd erzählt, er schreibe für führenden Online-Magazine und verdiene recht gut. Jetzt wurde ihm übel und er sah die kopflose Nixe wieder vor sich. Was war mit der Schwanzflosse?

Mireille war trotz des Bahnstreiks gut in Bussy-le grand gelandet und mußte gleich von ihrem deutschen Freund berichten. Sie würde ihn sogar heiraten, wenn er sie fragte. Die alten Großeltern waren skeptisch. Sie kannten die Deutschen als Krauts, denen man nicht so bereitwillig begegnen sollte. Mireille rettete sich und sprach von den Ausnahmen, die es in jedem Lebensbereich gäbe und Monsieur Alphons Dubois, der Großvater, schmunzelte wissend. Er hatte seinen Schwiegereltern ähnlich nebulös über die Resistance berichtet und sie damit unwissentlich in Gefahr gebracht. Mireille hätte jetzt so gerne ein besseres Telefon, aber sie wollte einfach nicht so viel Geld für jede Neuentwicklung ausgeben. Claire Dubois, ihre Großmutter, bot ihr an, mit ihrem neuen Mobiltelefon Martin anzurufen.

Martin stand von Ekelgefühlen gekrümmt an der Toilette und hoffte auf ein Ende der fatalen Tortour, als er »Nightcall« von Kavinsky hörte. Dies war sein Klingelton, er mochte das Lied sehr. Er ahnte, daß es die einzige und süße Frau sein würde, die ihm helfen wollte, die Trauer und die Verzweiflung aus seinem Leben zu vertreiben, aber er konnte sich nicht bewegen. Das Toilettenbecken schwankte und Martin hielt sich am Handtuchhalter fest, wohlwissend, daß dieser leicht nachgeben würde, so er sich nicht sofort einen Ruck gäbe. Das Läuten hatte längst aufgehört, als Martin das Telefon an sein Ohr hielt und wie ein Schwachsinniger mehrmals Hallo, Hallo rief. Er setzte sich an sein zehn Jahre altes MacBook, schrieb einen kurzen Text über Halluzinationen in der DDR und druckte ihn aus. Bei der Lektüre auf seiner Terrasse wurde Martin dermaßen von Lachkrämpfen geschüttelt, daß ihm deutlich vor Augen trat, er müsse jetzt eine Entziehung machen.

Martin entfernte die kläglichen Reste alkoholhaltiger Getränke in der Spüle und ging ins Bett. Er konnte nicht schlafen und seine Gedanken kamen ihm vor wie die eines Irren. Sex, Wasser, große Brüste. Sex, Wasser und noch größere Brüste. Er hörte Frauen stöhnen und sah wie auf Tafeln die Worte oral, bukkal, anal und vaginal ihm um die Ohren gehauen wurden. Er stand taumelnd wieder auf und kraxelte die verfallene Wendeltreppe hinab. Martin ging an den Strand. Neben sich sah er die nackte Mireille, die ihn am kleinen Martin anfaßte und zum Wasser zog.

Mireille versuchte an diesem Tag noch viermal, ihren Freund zu erreichen. Die nächsten drei Tage waren eine Kopie, aber am vierten ging es Martin besser. Er zitterte nicht mehr beim Wasserlassen, er traf das Becken in der Mitte und konnte besser einschlafen. Ihm war es die Plage wert, denn welcher Mann wird mit so einer Liebe gesegnet? Er würde einen Job finden, so viel war sicher. Mireille gefiel ihren Großeltern gar nicht gut. Die Alten waren einhellig der Meinung, daß dieser Mann sie nicht verdient habe und sagten es mehrmals am Tage. Mireille verabschiedete sich am siebten Tage, wortreich um versöhnliche Erklärungen bemüht, und fuhr nach Hause zurück. Nachdem sie am ganzen Körper zitternd an Martins Tür klopfte, erschien ihr Freund in seinem besten Hemd und frisch rasiert, sah sie lächelnd an und fragte, was passiert sei. Als Mireille glücklich lachend in seine Arme fiel, wischte sich Martin seine Tränen weg. Sie heirateten am vierzehnten Juli und besuchten die alten Dubois in der Bourgogne. © Hendrik Gottschalk 2018



Nachdem er das Dorf, in dem er bis zur Einschulung aufwuchs, verlassen mußte, verbrachte er dort regelmäßig seine Sommerferien. In besonderer Erinnerung waren ihm die letzten. Es war das Jahr, in dem seine Großmutter starb. Die Kinder spielten nie wieder so lärmend wie an jenem Tage, als Hermann und Erich im See ertranken. Es war im Juli. Roman war zur Großmutter gefahren, zum ersten Male allein. Sein Vater brachte ihn lediglich zu der am Stadtrand gelegenen Haltestelle, wechselte ein paar Worte mit dem Fahrer des Überlandbusses und hievte die schwere Tasche auf die Gepäckablage. Der neunjährige Roman durfte die ganze Fahrt stolz vorne neben dem Fahrer stehen und beobachten, was für Bewegungen, Handgriffe und Fußarbeit erforderlich waren, um so ein großes Gefährt sicher über die gewundenen und engen Landstraßen zu steuern. Der Fahrer war ein gemütlicher Sachse und gestatte Roman, den Türöffner zu betätigen, wenn an einer Haltestelle Passagiere aussteigen wollten. Der Junge fühlte sich wohl und war enttäuscht, als die Reise für ihn zu Ende ging und er den Bus verlassen mußte. Er winkte noch lange dem Ikarus hinterher und hoffte auf eine baldige Wiederholung dieses Abenteuers. Die Haltestelle befand sich am Rathausplatz gegenüber des einzigen Bäckerladens im Dorf. Er ließ die Tasche auf dem Gehweg stehen, betrat das kleine duftende Geschäft und wurde sofort freudig mit seinem Namen begrüßt. Es war später Vormittag und die Regale glänzten vor Leere. Nur im Fenster lagen noch einige schrumplige Windbeutel, die ihn trotz ihres kommenden Schicksal anlachten. Auch die Bäckersfrau lachte, als sie Romans Blick auf diese kleinen Köstlichkeiten bemerkte. Sie schenkte ihm zwei davon und wickelte sie behutsam in dünnes Papier, das sie zuvor vorsichtig mit Wasser angefeuchtet hatte. »Für dich und für die Oma«, sagte sie und überreichte ihm lächelnd das kleine federleichte Päckchen. »Grüß schön, Roman. Willkommen in Ringleben.« Romans Großmutter war alt geworden und hatte die Arbeit in der Zuckerrübenfabrik auf Anraten ihres Hausarztes aufgegeben. Dieser hatte eine koronare Herzkrankheit diagnostiziert und ihr Angst gemacht. Nun arbeitete sie ein paar Stunden als Sekretärin beim Bürgermeister des kleinen Ortes am Rande der Diamantenen Aue zum Fuße des Kyffhäusers. Der Bürgermeister, den Roman Onkel Werner nannte, war ein Cousin von Romans Vater und er mochte den Jungen sehr. In dem kleinen Dorf lebten noch einige einst aus Ostpreußen vertriebene Verwandte, die allesamt Roman die Ferien verschönern wollten. Tante Linda, die Frau vom Bürgermeister, mit frischem Obst, Herbert und Fritz mit ihren Mopeds und die beiden alten Eltern des Bürgermeisters mit ihren Tauben und Oskar, ihrem in die Jahre gekommenen Hund. Roman freute sich sehr, hier seine Ferien verbringen zu können. Aber am meisten freute er sich auf seine Großmutter, Oma Maria, die Mutter seiner Mutter. Sie war die herzlichste von allen und liebte ihren Enkel über alle Maßen. Sie war stolz auf den Jungen, der in der Schule pfiffig, zu Hause höflich und bei seinen Freunden anerkannt war. Roman betrat das Rathaus und war von der ihm entgegenschlagenden Kühle angenehm überrascht. Es roch nach Mittag. Aus der Gaststätte im Erdgeschoß drang leises Stimmengewirr und das Klappern des Bestecks auf den Tellern. Er stieg die Stufen zum Büro des Bürgermeisters empor und freute sich auf das Lächeln, die Umarmungen und die Küsse seiner Großmutter. Der Empfang verlief haargenau so, wie er ihn sich vorgestellt hatte. Dann schenkte ihm Oma Maria fünf Mark für sein gutes Zeugnis und sagte augenzwinkernd, es gäbe heute im Konsum Studentenfutter. Roman hatte es nicht eilig und wollte ihr etwas helfen. Er durfte Bleistifte mit der kleinen knarrenden Handmaschine anspitzen und bemühte sich, keine Stummel aus ihnen zu machen. Er durfte Briefe frankieren. Die Marken dazu wollte er erst anlecken, aber die Oma schob ihm freundlich einen feuchten Schwamm entgegen, den er dann doch lieber benutzte als seine Zunge. Dann durfte er den großen Rollladenschrank aufräumen, in dem sich die unterschiedlichsten Formulare türmten. Er wußte bislang gar nicht, daß ihm solche Arbeiten gefielen, aber für seine Großmutter machte der Junge alles von Herzen gerne. Punkt dreizehn Uhr war Feierabend und beide gingen nach Hause. Die Großmutter bewohnte eine kleine Wohnung in einem heruntergekommenen Eckhaus. Unten befanden sich der Konsum und eine größere Wohnung, in der seine Freundin Elke mit ihren fünf Geschwistern und der Mutter lebte. Oben bei der Oma wohnten noch drei uralte Frauen in drei noch kleineren Wohnungen, die Verschlägen ähnelten. Im Treppenhaus stand ein Faß Sauerkraut und Roman war sofort klar, daß es Bestandteil der Verpflegung seiner Truppe werden würde. Auf dem Herd wartete ein großer Topf Sauerbraten, der extra für ihn zubereitet worden war. Roman durfte das Feuer im Herd entfachen und sich dann auf das gemütliche Sofa in der Stube legen. Die Schwalben jagten lauthals am weit geöffneten Fenster vorbei und eine wohlige Ruhe überkam ihn. Kurz vor dem Einnicken duftete es herrlich und er richtete sich zum Essen auf. Großmutter und Enkel besprachen ein paar Kleinigkeiten. Daß er auf den Schlüssel achten und die Verwandten anständig begrüßen solle, besprachen sie nicht. Vieles zwischen ihnen war wortlos vereinbart. Abendbrot gab es, wenn Roman nach Hause kam. Die Oma überreichte ihm wie immer die goldene Taschenuhr, die ihr nach dem Kriege durch einen tragischen Unfall umgekommener Mann hinterlassen hatte, damit Roman die Zeit im Auge behalten konnte. Sie gab Roman auch seine von ihm selbst gezimmerte Holzkiste, die sie für ihn im Wohnzimmerschrank aufbewahrte. In dieser befanden sich lauter kleine Dinge, die für einen Jungen in Romans Alter einen wahren Schatz bedeuteten. Ein schlichtes Taschenmesser mit zwei scharfen Klingen, eine schwarze handliche Signallampe mit drei farbigen Gläsern, eine Streichholzschachtel, zwei Feuersteine, ein Kompass, eine Lupe, zwei einfache Holzklammern, ein Stück Fahrradschlauch, eine rote Plastikklammer, zwei Sicherheitsnadeln, etwas Bindfaden und ein hartes Bonbon in silbrig glänzendem Stanniolpapier. Es klopfte an der Wohnungstür. Roman öffnete und sah Elke, die ihm ganz außer Atem um den Hals fiel und sagte, daß sie schon so auf ihn gewartet habe. Er freute sich wie sie und zog sie in den engen Korridor. Roman fragte seine Großmutter, ob Elke etwas von dem Sauerbraten haben könne, denn er wußte, bei ihr gab es nicht immer genug zu essen. Dann sah er seiner Freundin vom Lande mit großen Augen zu, wie diese es schaffte, gleichzeitig hastig zu schmausen und rasant zu erzählen. Sie sagte, die Kleinen wären für zwei Wochen bei ihrer Tante und deshalb hätte sie ganz viel Zeit, die sie gerne mit ihrem Freund aus der Stadt verbringen wolle. Heute wollten sie alle zum See. Anna, Helmut, Hermann, Martina, Erich und Fred. Die Truppe, auf die sich Roman schon wochenlang fast so wie auf seine Großmutter gefreut hatte. Er hatte die neue Nylon-Badehose dabei, die ihm Tante Tony aus Hamburg geschickt hatte, damit er nicht in einer der lächerlichen Dreiecks-Badehosen herumturnen müsse, die alle anderen wie die Indianer als äußerst knappen Lendenschurz trugen. Elkes Teller glänzte, aber einen Nachschlag lehnte sie energisch ab. Sie dankte Oma Maria für das große Stück Fleisch, stand auf und drückte die alte Frau herzlich. Die beiden Kinder sagten tschüß und die Oma erklärte Roman noch kurz, daß sie am Abend erst gegen zehn zu Hause sein würde. Sie arbeitete jetzt auch noch als Filmvorführerin im kleinen Dorfkino. Wahrscheinlich, um ihrer Tochter mit etwas Geld unter die Arme greifen zu können, dachte Roman. Das Abendrot würde auf dem Tisch stehen, die Butter wäre im Eisschrank. Elke und Roman flogen wie der Wirbelwind laut polternd die Treppe hinab und eilten zum Treffpunkt im kleinen Park der LPG gegenüber der Trecker-Waage. Zwei der alten Damen steckten noch ihre Köpfe durch die Türen und schimpften wie gewohnt über die Störung ihrer Mittagsruhe. Die Kinder hatten nicht gewußt, daß Roman heute kommen würde. Sie begrüßten ihn mit lautem Hallo und nahmen ihn sofort in ihre Mitte. Erich wollte wissen, wie Romans Zeugnis ausgefallen war, denn er stand mit ihm ein wenig im längst entschiedenen Konkurrenzkampf um Elke und hatte ein ganz gutes Zeugnis mit lauter Zweien, außer Betragen vier. Erich war der einzige Sohn des Fleischers und schwieg dann auch für eine kurze Zeit, als Roman bescheiden sagte, er könne diesmal nur fünf Einsen vorweisen. Elke schaute ihren Freund stolz an und schlug vor, ein paar Äpfel als Proviant zu besorgen. Roman wußte, sie würden an Onkel Werners gepflegten Garten vorbeikommen und klärte seine Freunde darüber auf, daß dieser seine Äpfel immer abzählte. Sie könnten doch ein paar Birnen von der Straße pflücken, auch wenn diese noch nicht ganz reif seien. Oder ein paar Maiskolben vom Feld nebenan. Die Kinder staunten, daß sich Roman an all das noch erinnern konnte und zogen hüpfend, springend und tanzend von dannen. Mit ihrer kleinen Beute am See angekommen, zogen sie sich so schnell sie konnten aus und sprangen über den morsch gewordenen Angelsteg ins warme, etwas trübe Wasser. Die Frösche stoben davon und ein paar Enten regten sich schnatternd über die kleine wilde Horde auf. Über den Kindern kreisten bunte Libellen und Schmetterlinge flatterten. Weiter oben schwebte ein Pärchen der seltenen Gabelweihen. Der kleine See lag mitten zwischen den Feldern und war von den beiden parallel vorbeiführenden Landstraßen nicht zu sehen. Er wurde fast vollständig von Schilf umsäumt und nur eine Handvoll hoher Pappeln verriet seine Lage, wenn man sie bereits wußte. Eine kleine Wiese und ein Weg mit verschiedenen, im Laufe der Jahre verwilderten, Obstbäumen machten aus diesem Plätzchen ein Kindermärchenland. Hier konnten sie spielen, toben und schreien, ohne jemanden zu stören. Hier waren sie selber ungestört und fühlten sich frei. Der See war nur in der Mitte ungefähr drei Meter tief, ansonsten ein flaches und warmes Gewässer, was durch einen unscheinbaren Bach von der Unstrut her gespeist wurde. Vor Jahren wurde dieser See vom Angler-Verein gepachtet und mit verschiedenen Fischen besetzt. Diesen war der See allerdings zu klein und die Angler gaben ihn schließlich auf. Sie hatten ihn damals mit Netzen leergefischt. Ein Netz war ihnen abhanden gekommen und lag wohl noch auf dem Grunde des Sees. Daran dachten die Kinder aber nicht, als sie das erfrischende Bad genossen. Nach einer guten Stunde legten sie sich ins Gras und ließen sich von der hochstehenden Sonne in wenigen Minuten trocknen. Roman hatte nie verstanden, warum er seine Badehose zum Trocknen aufhängen sollte, wenn er doch bald wieder ins Wasser gehen würde und lächelte, als er sein gutes Stück über einen kleinen Ast warf. Sie saßen im Kreise beisammen und machten Pläne für den ganzen Sommer. Jeder sollte eine Idee beisteuern. Als erstes wurde beschlossen, ein Baumhaus zu bauen, in dem sie sich bei Regenwetter aufhalten könnten. Sie wollten es am Rande der bewachten Apfelplantage errichten und damit dem Wächter den Wind aus den Segeln nehmen, wenn er anfinge, sie zu rufen, weil sie dort spielten. Sie würden ja dann dort wohnen und Anliegerrechte besitzen. Sie wollten bei der Kirschernte mitmachen, nicht nur, um zu helfen, sondern um sich auch ihre Bäuche vollzuschlagen. Sie wollten zur Lehmgrube Eidechsen fangen und diese „dressieren“. Sie wollten zur Kiesgrube, um „Todessprünge“ zu vollführen. Sie wollten im Futtergras Indianer spielen und sich an Oskar, dem Boxer von Tante Anna und und Onkel August, vorbeischleichen oder mit einer Bockwurst „bestechen“, damit er sie vorbeiließe. Sie wollten zu den Pferden, zu den Schafen, zu den Schweinen und zu den Kühen. Sie wollten Radrennen im Ried am anderen Ende des Dorfes veranstalten. Sie wollten sich abwechselnd um die alte blinde Oma Gertrude kümmern und ihr das Essen aus der Gemeindeküche bringen. Sie wollten zur Kirmes gehen und türkischen Honig probieren. Roman wollte dort für Elke die hübscheste Kunststoffrose schießen. Sie wollten schöne Ferien haben. Sie wollten. Als sie dann wieder aus dem Wasser kamen, vermißten sie Hermann und Erich. Die Kinder suchten überall und rannten dann schnell zum Fleischer. Dieser sprang hastig auf sein Motorrad und fuhr mit seinem Gesellen zum See. Am Abend erfuhren die Kinder, was mit ihren Freunden passiert war. Die beiden Jungs waren in die Mitte des Sees geschwommen, offenbar, um Purzelbäume im Wasser zu schlagen oder andere Kunststückchen zu machen und hatten sich dabei unglücklich in dem verlorenen Netz verfangen, das an seinen Rändern von großen Steinen beschwert wurde. Roman wartete weinend auf seine Großmutter. Das Abendessen stand unberührt auf dem Tisch. Nach ein paar Tagen heftiger Trauer gelang es den Kindern allmählich, in ihrer kleinen Gemeinschaft in den Alltag zurückzukehren. Sie arbeiteten ihre Pläne nahezu vollständig, aber stiller als sonst ab. Die Kunststoffrose traf Roman nicht. © Hendrik Gottschalk 2018



Telefon ohne Display und Akku

Nun ist der Tremor wieder weg und nach Wochen erfolgreicher Selbstmontage ganz ohne Schrauben wage ich heute den Batterie-Tausch an meinem Telefon. Dazu bestellte ich das notwendige Ersatzteil für fünfzwanzig Euro bei Fix It France. In den Kommentaren zur Anleitung beschrieben einige Leute sehr unterschiedliche Erfahrungen, die wenigsten waren erfolgreich gewesen. Entweder fing der Akku Feuer oder das Display zerbrach oder die Schrauben wurden verwechselt. Ich war gewarnt, schmiß die Anleitung weg und fing behutsam an. Zwei winzige Schräubchen am Lightning-Anschluß. Die legt man dann natürlich so, daß sie nicht wiedergefunden werden. Mit einem Saugnapf wird das Display dann nur einen Zentimeter aus der Umrandung gehoben. Bei zwei Zentimetern würde das Kabel reißen. Soll ich? Mit der Kreditkarte muß ganz vorsichtig gehebelt werden. Wenn sie zerbricht, eine Neue beantragen. Es geht wesentlich leichter als gedacht.

Das Display wird von einem Flachbandkabel gehalten. Der Stecker dazu kann gut mit einer Pinzette gelöst und der Bildschirm bis neunzig Grad hochgestellt werden. Man lehne ihn an eine Flasche Wodka. Dann noch einmal zwei Schräubchen entfernen, noch kleiner als die ersten beiden, um den Akku-Stecker mit einem Klick zu lösen. Klick. Die Batterie ist festgeklebt und die Laschen der Klebestreifen reißen beim Versuch, sie einfach nach vorne wegzuziehen. Kein Problem. Den Hammer legt man wieder zur Seite, der kommt am Ende. Mit dem beiliegenden Plastikspatel gelingt es, den Akku vorsichtig herauszuhebeln, ohne das dieser zerstört wird. Er verbiegt sich ein wenig. Leider kein Feuer, keine Explosion. Ich lege den neuen Akku hinein und drücke ihn an die noch klebrigen Streifen. Dann schließe ich ihn an und schraube das Metall-Kläppchen wieder über den Stecker. Dann muß das Bildschirmkabel wieder befestigt und das Display noch von oben nach unten festgedrückt werden.

Ich schalte das Telefon ein und bin zufrieden. Jetzt könnte ich das Teil wegwerfen oder einem Migranten schenken.  Die letzten beiden Schrauben gelingen mühelos. Ich hatte sie gar nicht versteckt. Nach zehn Minuten bin ich fertig und die Operation am offenen Herzen ein voller Erfolg. Eine neckische Fummelei.

© Hendrik Gottschalk 2018



So stellte er sich heute dar. Bei mehr als zwanzig Grad in der Sonne. Und so sanft, so glatt, fast regungslos. Ich habe ihn aber atmen gehört und war erleichtert. Das hat mich an meinen kleinen Sonnenschein erinnert, als ich des Nachts öfter in sein Zimmer schlich, nur um ihn atmen zu hören. So kann Angst aussehen. Vera Lengsfeld schreibt, daß man, wenn Merkel Geschichte sei, der Frage nachgehen müsse, wie es erneut passieren konnte, daß die „Eliten“ kritiklos einer Führungsfigur hinterher hechelten und Andersdenkende mit Methoden bekämpft haben, die nach zwei totalitären Diktaturen tabu sein müßten. Tja, das ist der Preis der Abstraktionsschwäche. 

Verachtung ist ein großes Wort. Leichtfertig sollte man es nicht verwenden. Man sollte es vorsichtig angehen. Und konziliant natürlich…. Schwachsinn. 



Das ist jetzt meine Bank. Typisch Médoc. Hier sitze ich manchmal, wenn ich den Kopf frei bekommen möchte. Die Bank steht auf einer künstlichen Düne an der Gironde-Mündung. Zwischen dem riesigen Fluß und dem noch riesigeren Atlantique habe ich tatsächlich eine 360 Grad freie Sicht. Ich sehe den Strom und ich ahne immerhin auch den Ozean, der lediglich wegen Wald und Feld nicht sichtbar ist. Ich sehe Ebbe und Flut. Die Krabben im kleinen Kanal lachen und springen mich an. 

Ich finde es gut, daß ich so einfach für den freien Blick meiner Augen sorgen kann. 

Wenn ich hier sitze, versinkt für mich die Ödnis der jetzigen Welt. Es wird unwichtig, was ich erreichen wollte, was ich erreichen möchte. Ich wollte schon immer so einen Ort finden. Einen Ort, an dem die Freiheit spürbar ist. Durch den Wind an der Haut, über das Wispern der Bäume und das Zwitschern der kleinen Vögel am Ohr und über die Unendlichkeit via Augenlicht. Die Gedanken können gar nicht anders, als dem zu folgen. 

Es ist ein einzigartiges Erlebnis, so ganz versunken in freudiger Andacht, seinen Blick schweifen lassen zu können, wie man möchte. Hier auf der Bank picknicke ich auch. Einen Apfel, einen Käse, Oliven und Baguette. Hier fühle ich mich wie in einem Schoß, der es endlich auch gut mit mir meint. 

Heißt es nicht, Frankreich ist auch Gottes Land? Oder wie Gott in Frankreich?

Ich verlasse diesen Ort immer lächelnd. Sonnenblumenfelder, Austernzucht und ein herrliches Haff. Tanzende Kaninchen. Ein Komoran und ein Pärchen Kraniche. Kein Mensch weit und breit. Ein paar Eidechsen im Sonnenlicht. Brombeerhecken. Nie hätte ich früher daran gedacht, daß so wenig für mich so viel sein kann. Es ist ganz und gar nicht wenig sondern unendlich viel. Fast alles. © Hendrik Gottschalk 2018



Im Traum überlegte ich, was wohl eine Guillotine kostet. Da ich rätselnd aufwachte, beschloß ich, mich zu erkundigen. Jetzt kenne ich den Preis zwar noch immer nicht, möchte aber die Informationen nicht vorenthalten, auf die ich gestoßen bin.


Die Revolution war für Frankreich ein prägendes historisches Ereignis. Deshalb lernen französische Kinder schon in der Grundschule, wie die verschiedenen Bestandteile der Guillotine heißen.

Le mouton: Der 40 kg schwere „Rammbock“, an dem die haarscharfe Klinge befestigt war.

La lunette: Die Öffnung, durch die der Kopf des Verurteilten geschoben wurde, um eine saubere Enthauptung sicherzustellen.

Le couperet: Die 7 kg schwere Klinge.

Le chapiteau: Die zwei in den Himmel ragenden Holzbalken und der darauf liegende Querbalken.


Für viele ist die Guillotine eine altertümliche Hinrichtungsmethode, die nur im 18. und 19. Jahrhundert zum Einsatz kam. Aber keineswegs. Die letzte Hinrichtung per Guillotine fand 1977 in Marseille statt.

Nach der Enthauptung war es üblich, den Kopf in die Höhe zu halten, um ihn dem Publikum zu präsentieren. Um den Kopf den Zuschauern zu präsentieren? Nein, ganz und gar nicht. Eher andersherum. Der Verbrecher sollte als Demütigung in die schreiende Menge blicken.


Angeblich trat der Tod eines Guillotinierten nämlich nicht sofort ein. Es wurden zum Beispiel Aussagen über mutmaßliche Sprechversuche abgetrennter Köpfe überliefert. Einige Häupter schlossen noch reflexartig die Augen, wenn eine Hand schnell auf das Gesicht zubewegt wurde. Außerdem habe nach den Aussagen eines Arztes der Kopf eines geköpften Verbrechers sogar noch eine halbe Minute auf Zurufe reagiert.

Wie man sieht, war es auch schon damals nicht ganz leicht, Fakten von Fakes zu unterscheiden.


Um die tapferen Frauen der Revolution zu ehren, waren Ihnen spezielle Plätze ganz in der Nähe des Schafotts reserviert. Die Damen waren teilweise schon Stunden vor einer Hinrichtung vor Ort, um sich über die Verurteilten lustig zu machen und um zu stricken. Ihr Spitzname: les tricoteuses (frz. für Strickerinnen).


Die Hinrichtungen waren ein beliebtes Spektakel. Besonders begehrt waren die Plätze auf der Mauer des Jardin des Tuileries, sie boten die beste Übersicht. Der Andrang war so stark, daß man sich dazu entschloß, ein Entgeld für Sitzplätze zu verlangen. Nach einer Enthauptung traf man sich in der Taverne „Cabaret de la Guillotine“, um mit einem Bierchen anzustoßen und den patriotischen Moment zu feiern.


Während dieser Zeit gab es auf dem Platz der Revolution derart viele Hinrichtungen, daß man mit der Reinigung des Platzes nicht mehr nachkam. Streunende Hunde ernährten sich von den Überresten am Boden. Einwohner, die den Platz überqueren mußten, beschwerten sich über Fleischreste, die an den Schuhsohlen haften blieben.


Die Guillotine hatte im Laufe der Jahre viele Spitznamen. Zum Beispiel:

Grand Rasoir National: der nationale Rasierapparat

La Veuve: die Witwe

Le Bois de Justice: das Holz der Justiz

Die Öffnung, durch die der Kopf des Angeklagten geschoben wurde, erinnerte wohl an das Objektiv eines damaligen Fotoapparates. So enstand der Ausdruck „sich photographieren lassen“. Umgangssprachlich wurde ein Verbrecher also nicht mehr geköpft, sondern „er ließ sich knipsen“.


Noch heute wird das Word Guillotine fast tagtäglich in Frankreich benutzt. Was in Deutschland „enthaupten“ oder „köpfen“ heißt, wird im Französischen mit dem Verb „guillotiner“ übersetzt.


Die Guillotine sei keine rein französische Gegebenheit. Die Witwe kam in verschiedenen Ländern zum Einsatz, und das seit dem 16. Jahrhundert. Die Vorläufer der aktuellen Guillotine waren die italienische Mannia und die schottische Maiden. Auch in Deutschland ließ man sich knipsen. Östlich vom Rhein bezeichnete man das gute Stück als „Fallbeil“. Zum Einsatz kam die Guillotine bis 1949 in der Bundesrepublik respektive 1968 in der DDR. © Hendrik Gottschalk 2018



Als ich mich heute kurz nach dem Mittagessen, verlorene Eier selbstgemacht, auf die Couch legte, um eine kleine Siesta anzuhängen, schlug mir mein Telefon vor, noch rasch einen Artikel in der Zeit zu lesen. Ich war erst ein wenig irritiert, daß der kleine Rechner nicht wußte, wie ablehnend ich Journaille gegenüberstehe. Es sind gefühlte Lichtjahre her, daß ich im Feuilleton dieser Zeitschrift einen fast ganzseitigen Beitrag zum Ein- und Ausparken las, der mich im Laufe der Lektüre vor Vergnügen und Lachen fast von der Luftmatratze geworfen hätte, auf der ich damals am Atlantik meine Mittagsschläfchen im Halbschatten der Pinien zu halten pflegte. Diese leichte und dennoch kluge Sprache ist leider nicht nur diesem Journal völlig abhanden gekommen. Es ist zu einem Kampfblatt von Leuten geworden, die ich aus Gründen meide wie der Teufel das Weihwasser. Es geht um den Beitrag von Diana Kinnert am 29. September 2017. Immerhin las ich ihren Text zügig bis zum Ende, um mich dann völlig im ersten Kommentar wiederzufinden, der lautete: „Unfassbar flach.“ Es wird auf ungefähr vier normalen Textseiten gleichsam ein Nichtvorhandensein jeglicher moralischer und kultureller Entwicklung eines jungen Menschen beschrieben, und das von einer Frau, die sich als CDU-Mitglied sieht, aber dennoch Freunde aus dem gesamten schrillen politischen Spektrum um sich herum versammelt hat, die sie falsch einschätzt und aus mir unbekannten Gründen in ihrem ganzen Handeln, Denken und Fühlen schlichtweg nicht wirklich kennt und einordnen kann, weil ihr jeder Bezug zum Tatsächlichen, dem Realen fehlt und sie für mich lediglich eine Fratze der völlig verzerrten Wahrheit darstellt. Es findet ein irrer Streifzug durch Schlagworte politischer Propaganda statt. Er reicht von Todenhöfers Israelkritik über fehlende Diskriminierungserfahrungen Homosexueller, die nicht als Garant für eine tolerante Grundeinstellung gelten können, über politisch radikale, aber gewaltfreie Linken bis hin zu niemals vollends abgeschlossener Entnazifizierung in den Reihen der CDU. Ich kann zusammenfassen. Diese kindisch anmutenden, aber letztendlich so destruktiv und leer wirkenden Beiträge in der Zeit und anderen Magazinen sind ein Offenbarungseid nicht nur für das Versagen von Familien- und Bildungspolitik, sondern für das Versagen einer ganzen Generation an ihren Kindern. Und das betrifft bei weitem mehr als die heutige Medienlandschaft. © Hendrik Gottschalk 2018



Was in Vergessenheit geraten ist, das kann nur schwer richtig bewertet werden, wenn es darauf ankommt. DIE LINKE ist eins zu eins die Nachfolgepartei der ehemaligen SED, der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und nur wenigen ist das bewußt. Schießbefehl, Mauertote, Bautzen, Schwedt, Stasi und Propaganda. Das zumindest muß immer wieder gesagt werden. Das gehört immer wieder auf die Tagesordnung. Täglich.

Inzwischen ist auch die Zwangsvereinigung von KPD und SPD im Osten Deutschlands vergessen. Vergessen auch die massive Verfolgung aller, die diesem Streben im Wege standen.

Man muß doch gar kein Nachschlagewerk bemühen, jeder kann die Alten noch fragen. So wie ich meine Eltern zu 1953 oder 1961. Dann mußte ich selber sehen, was für eine jämmerliche und verlogene Bagage die Linken sind. Ich rede mir immer ein, sie sind auch Gottes Geschöpfe. Aber dann kommt eine Jutta Dittfurt und bedauert, daß Dresden nicht vernichtet wurde, weil sie politische Gegner nicht aushält und ihnen nicht mit Argumenten begegnen kann. In den Medien findet sich keine Kritik an dieser Aussage, wohl aber immer und ständig an dem, was die AfD von sich gibt. Diese Impertinenz ist schwer erträglich. Ich werde es aushalten, andere hingegen nicht.  Mein Kopfschütteln wird nicht reichen, um diese Plage loszuwerden. Es bedarf noch großer Anstrengungen, unabhängig von Parteien wie der AfD. 

Hier ein Alphabet für das, was den dreisten und geschichtsvergessenen Linken und vielen Journalisten derzeit noch fehlt. Man sollte es ihnen schenken..

A wie der Anstand, der verbietet, sich wie ein Affe, ein Esel oder ein Elefant aufzuführen.

B wie die Behutsamkeit, mit der ein kleines Kind zum ersten Mal einen Regenwurm vorsichtig zwischen Daumen und Zeigefinger nimmt.

C wie der Charme, mit dem sich das Leben genießen läßt,

D wie die Demut, die ihnen besonders gut zu Gesicht stünde,

E wie die Ehrfurcht vor denen, denen sie ihr Leben verdanken, ihren Eltern.

F wie wirkliche Freiheit im Kopf und frei von Spinnereien

G wie die Gesellschaft, in der sich alle wohlfühlen.

H wie die Herzlichkeit gegenüber den anderen

I wie Ich bin klein,

J wie Jahrzehnte Erfahrung mit Diktatur und Propaganda.

K wie die Klarheit in der Sprache, im Denken und im Handeln,

L wie die Liebe zu Gottes Schöpfung oder wenigstens zur Heimat

M wie Milkyway, locker und leicht, schwimmt sogar in Milch,

N wie Nächstenliebe, ist der arme Rentner nix wert?

O wie gerechte Opferhilfe.

P wie der Padre, der Frieden predigt in der Gefahr, getötet zu werden,

Q wie Qualität in allem, was man macht,

R wie Recht und Gerechtigkeit unterm Regenbogen

S wie Sonnenblumenduft,

T wie die Treue zum Freund, zum Volk, zu Vaterland, zu Muttersprache,

V wie das Vertrauen in sich selbst und in alle anderen,

W wie Wohlwollen ohne Eigennutz,

X , Y und Z wie alles andere, was sie sich vielleicht wünschen, um auch geliebt zu werden.

© Hendrik Gottschalk 2018




Es ist erstaunlich, zumindest erstaunlich, wenn nicht gar in höchstem Maße befremdlich, wie naiv sich Psychopathen entgegengestellt wird, respektive wie man diese gewähren läßt. Schon klar, daß in einfältigen Kommunardenkreisen das Wissen darüber, wie Psychopathie gesellschaftsfähig und dominant wurde, belächelt wird. Vielleicht ist es auch zu einfach, um wahrgenommen werden zu können? Egal. 

Allen Psychopathen gemeinsam ist, daß sie gewissenlos agieren, reden und manipulieren. Denken wir an Angela Merkel oder Hannibal Lecter. Ihr erfolgreiches zerstörerisches Wirken setzt aber voraus, daß ihnen von einer Mehrheit ihr Tun und Lassen gestattet wird, auch wenn diese Mehrheit in dieser Frage ganz anderer Meinung sein sollte. Das ist nicht schlimm, denn diese Mehrheit ist tatsächlich von dem gefangen, was ganz offen als „Brot und Spiele“ bezeichnet wird. Viele sind nicht einmal in der Lage zu erkennen, daß dieser Spruch nur eine Abstraktion der vielfältigsten Ablenkungsmanöver darstellt und fühlen sich in keiner Weise betroffen oder angesprochen. In dieser Frage zeigt sich die ganze Misere in einer überlegenen Art und Weise, daß einem schwindlig werden könnte. Kämen die Seefahrer um Kolumbus nicht nur mit Skorbut nach Hause, sondern mit einer vermutlich ansteckenden und lebensbedrohlichen Erkrankung nach Hause, so müßten sie zur weiteren Abklärung in eine recht menschenunfreundliche Quarantäne. Die Psychopathen sind nun aber mitten unter uns. Man könnte sie erkennen, festnehmen und einer Behandlung zuführen. Nun zählen Psychiater aber nicht zu den Helden unsrerer Zeit. Auch mit Cannabis werden sie nicht stark genug. Es ist der Mangel an Abstraktionsfähigkeit, der das Erkennen verhindert, daß die wichtigsten Probleme zuerst gelöst werden müssen. So ist es immer das täglich gleich dumme und belanglose Spiel für die einen, das tödliche Gift für die anderen. Ein Psychopath wird dem anderen Psychopathen nichts tun. Die übrigen spielen. 



Fatalismus im Jugendalter, ob echt oder gespielt, macht nicht nur den Eltern Beine. Fatalismus im Alter ist ein Hinweis auf den Friedhof und darauf, daß man nichts verstanden hat. Wer bei einer Wahl die Möglichkeit hat, zwischen den Kandidaten der Nationalen Front zu wählen, wird es tun, wenn er dazu gezwungen wird. Wer in einer Demokratie, so schwarz und trüb diese auch sei, von seiner Stimme keinen Gebrauch macht, wird wissen, was er tut. Jedenfalls hat er keine Angst um seine Arbeit, um seine Frau, seine Kinder und seine Eltern. Oder etwa doch? Deshalb gibt es keine klugen Köpfe mehr hinter der FAZ. Machen wir uns nichts vor. Kompetenz und Sachverstand finden sich heute zwar noch fast allerorten, aber nicht in der Politik und nicht bei der Journaille. Dort folgt man durch Diäten und Honoraren suggerierten Träumen. Vorgegeben von wem auch immer, jedenfalls an der Realität vorbei. Man sehe sich die Zahlen zum Klimaschwindel an, oder betrachte die Datenlage im Zusammenhang mit der Autoindustrie. Auch die Zahlen in Hinblick auf die Migranten, auf die Kriminalstatistik oder die Kosten einer unkontrollierten Einwanderung sind eher Traum als Wirklichkeit. Niemand soll das Recht haben, mit Demagogie und Lüge in den Bundestag einzuziehen. Allenfalls erlaubt ist eine rosa ideologische Schleife im Haar. Und wer immer vorgibt, schwul oder lesbisch zu sein, bekommt keine Nachspeise zum Mittagessen. Saubande, dreckige.



Kinder haben es gern, wenn ihre Eltern Opportunisten oder Konformisten sind. Sie mögen es außerordentlich, wenn Mama und Papa nicht zuviel in Mut und Courage investieren, sondern ihr läppisches Geld zum Konsum, zum Media-Markt oder zu Apple tragen. Kinder stehen auf weiche Helden und Heldinnen, besonders auf Ganzkörper-Tätowierte, auf flötende Schwuchteln und Milchmädchen. Kinder lieben Beschaulichkeit. Sie lieben große Worte im kleinen Kämmerlein. Bedenken sollte Eltern auch, daß Kinder von Natur aus durch christliche oder jüdische Feiertage verstört werden können. Sexualkundeunterricht hingegen kann nicht früh genug beginnen. Kinder sind der natürliche Freund der Ehe für alle. Sie sind neugierig und vertragen auch kräftigere Experimente. Kurz, Kinder sind unsere Zukunft. 



Jeden Tag ein versuchter Würgegriff oder eine andere Attacke. Ob die Dummheit angreift oder der schlechte Geschmack, ob deplazierte Naivität, ein Mangel an Fingerspitzengefühl oder gar der ganz  allgemeine Ekel. Mich hat es seinerzeit im Sprechzimmer trotz mangelnder pädagogischen Fähigkeiten nicht entmutigt, Nachhilfe in elementaren Fragen zu erteilen. Heute ist das völlig anders. Schon beim Aufwachen sehe ich mich einer Wand aus Trotteln gegenüber. Und nein, ich halte mich nicht für arrogant oder überheblich. Die Fakten wehen uns derzeit wie ein Orkan um die Ohren. Das mag vielleicht der Grund dafür sein, daß alle in Deckung gehen und nur wenige sich noch mit offenem Auge gegen den Sturm stellen. Dem Silberjungen schlägt gar ein besonderer Wind entgegen. Dieser hinterläßt eine Fassunglosigkeit, die man auch mit Diktaturerfahrung so deutlich selten zu sehen bekommt. Es ist alles in allem beschämend, wie wenig Empathie die Deutschen für ihr Vaterland zeigen. 



"Kaufen, was einem die Kartelle vorwerfen; lesen, was einem die Zensoren erlauben; glauben, was einem die Kirche und Partei gebieten. Beinkleider werden zur Zeit mittelweit getragen. Freiheit gar nicht."

Heute bin ich mit Tucholsky an der gewaltigen Girondemündung. Die Sonne ist mitgekommen, hübsche Wolkenbilder aus Kindertagen auch, der Wind ist hörbar, fast frisch und weht ein wenig in meinen Kopf hinein.

Mein Blick kann frei über die weite Boddenlandschaft schweifen und erfaßt plötzlich ein lustig flatterndes Schmetterlingspärchen, das trotz übermütiger Bewegungen nie weiter als eine Elle voneinander entfernt über die Brombeerhecken an meiner Seite schwirrt. Die beiden kennen Satire nicht, Tucholsky schon gar nicht. 

Wer ist Tucholsky? Begegnet bin ich ihm als heranwachsender Junge zum ersten Mal. Witzige kurze Texte in einem Eulenspiegelbuch; mit Texten  von Roda Roda, Werner Finck, Joachim Ringelnatz, Polgar aber auch Fontane, Goethe und Kästner. Sogar Brecht und Strittmatter waren vertreten. Das politische Kabarett in diesem Mickey-Maus-Staat war zahnlos, angepaßt und überheblich. Das Publikum ebenfalls. Ein wenig bissiger schienen mir aus der Ferne die  Münchner Lach- und Schießgesellschaft, Hildebrandt und Schneyder. Damals schien es mir so. Heute weiß ich es besser.

Damals las ich dann auch ein paar Romane von Tucholsky und schaute mir im Kino mit einer Freundin "Gripsholm" an. Und irgendwann wußte ich dann auch, was ihn aus Deutschland vertrieben hatte, ich fühlte mich ihm ziemlich nahe. Deutschland ist kein abstraktes Gebilde, das wir so einfach lieben, kritisieren, verachten oder gar hassen. In diesem Lande leben mehrheitlich noch die Deutschen mit ihrem schwindenden Stolz auf herausragende  große Persönlichkeiten dieses Landes. Natürlich ist vielen egal, warum Tucholsky nach Schweden gegangen war. Warum andere ihm folgten, auch. Ihnen ist so gut wie alles egal, was ihrer Selbstgefälligkeit im Wege steht. Stattdessen wird darüber diskutiert, was Tucholsky wohl über die Juden dachte und geschrieben hat. Oder über Satire. Dabei kennen fast alle nur eine Zeile aus einem Text, in der er die Frage, was Satire dürfe mit „alles" beantwortete. Seine Ergänzung, "Satire hat eine Grenze nach oben: Buddha entzieht sich ihr. Satire hat auch eine Grenze nach unten. In Deutschland etwa der herrschenden faschistischen Mächte. Es lohnt nicht – so tief kann man nicht schießen." entzieht sich dann fast logisch und erwartungsgemäß der allgemeinen Kenntnis. 

Das reicht zwar schon, damit es mir unangenehm in die Nase steigt. So wird immer wieder kräftig und laut betont, Tucholsky sei einer der "begabtesten und widerwärtigsten jüdischen Antisemiten", weil in den "Wendriner Geschichten" die jüdische Bourgeoisie in erbarmungslosesten Nacktaufnahmen" dargestellt werde.  Immerhin sagen einige Verteidiger Tucholskys, daß es ihm darum ging, eine "gewissenlose Mentalität" einiger anzuprangern, die seiner Meinung nach  selbst die größten Demütigungen durch eine nationalistische Umwelt hinnähmen, so lange sie ihren Geschäften nachgehen könnten. Als Jude, selbst wenn er vorgab, den jüdischen Glauben abgelegt zu haben und als kritischer Zeitgenosse, wird Tucholsky es wohl bestens gewußt haben. 

Die orangefarbenen kleinen Flatterer sind verschwunden und eine hell lachende Schwalbe zeigt mir ihre Kunststücke. Die Flut geht langsam zurück, die Sonne steigt höher und ich sehe meine grüne Eidechse auf Fliegenpirsch. Der Wind tut gut. Ich nehme ein paar Sonnenblumenkerne in den Mund und schließe die Augen. Augenblicklich sitze ich auf der rosafarbenen Treppe aus Sandstein am Haus meiner Großmutter und öffne behutsam die Tüte mit dem Studentenfutter, welche mir als Wochenverpflegung für das fröhliche Treiben auf Feld und Flur in der Diamatenen Aue geschenkt worden war.  

Ein kleines Sportflugzeug setzt verwegen zur Landung an und versteckt sich vor mir im mich blendenden Sonnenlicht. Dann wird die wunderschöne Landschaft wieder mit dem  Rauschen des Windes und dem Gezwitscher der Vögel verziert. Ich klappe das Book zusammen und verlasse die schlichte Picknickstelle auf dem kleinen Hügel. Auf ebener Erde an einem anderen Ort, außer am Meer natürlich, kann ich nicht so weit sehen. © Hendrik Gottschalk 2018



"Eine Vorahnung ist manchmal keine Vorahnung, sondern eine Erinnerung." Das sagte eine gewisse Frau Susanne T. und ich vermute, daß sie aus der DDR kommt. Sie drückt aus, was ich als "alles schon einmal dagewesen" beschreiben würde. Muß man möglicherweise schon Diktaturerfahrung besitzen oder besondere Fähigkeiten, um zu sehen, daß diesmal tatsächlich versucht wird, den Sack zuzumachen. Der Widerstand ist im Osten der Bundesrepublik heftiger als im Westen. Im Westen haben die Versuche der "Welt", Alice Weidel nach Stasimanier zu zersetzen, sogar Unterhaltungswert. Man weiß vielleicht nicht um das Leben in einem Staat mit unbeschränkter Gewalt, man spricht von "Mutti". Immerhin fliegen Tomaten, ertönen Pfiffe und Hau-ab-Rufe. Es gärt, aber die Mischung stimmt noch nicht. Diskussionen darüber, was die Systempropaganda der AfD andichtet und die Zeit rennt. Guido Knopp mit seinen Wischi-Waschi-Dokumentationen über das, was hierzulande gefiltert als Zeitgeschichte verstanden wird, hat ganze Arbeit geleistet. Wer zum Beispiel glaubt, daß Arte ein Kulturkanal ist, hat keine Ahnung, so brüskierend es auch klingen mag. Warum sehe ich denn außer Vera Lengsfeld keinen mehr aus der ehemaligen Bürgerrechtsbewegung der DDR? Freya Klier unterstützt die I-like-Rauten-Kampagne und Stefan Krawczyk singt auf Kirchentagen "gegen Rechts". Jana Hensel als junge Frau zeigt offenherzig die Verkommenheit von Anstand und Stil. Das nennt man eingerichtet und angepaßt. Nach der Wahl gehen Zensur, Überwachung und Entrechtung in die nächste Runde. Es wird haarig. Der Familiennachzug kommt, ob mit großer Koalition oder bunter und noch schamloserer Paktiererei.  

Die Propagandamaschine läuft. Wiederholungen, Lügen, Weglassungen. Vierundzwanzig Stunden am Tag, dreihundertfünfundsechzig Tage im Jahr. Mir ist völlig unklar, wieso die Repräsentanten des Staates und der Parteien, der Kirchenvertreter und der Verbände, noch immer nicht durchschaut werden, obwohl sich ihr schäbiges Tun und Lassen bereits deutlich in ihre Physiognomie eingebrannt haben. Man muß doch kein Fachmann für Blickdiagnosen sein. 



Jana Hensel könnte meine Tochter sein. Aber was heißt das schon? Sie sieht nett aus, hat einen Sohn und nix weiter. Ach doch. Sie schreibt Bücher. Eins davon wurde ein Bestseller. Es heißt „Zonenkinder“ und ich habe es  nach Erscheinen gleich gelesen, weil ich wohl damals bei Hugendubel, vielleicht durch irgendetwas benebelt, annahm, ich sei auch ein Zonenkind. Ähnliche Gedanken müssen vielen Lesern gekommen sein, denn es ist ein gut verkauftes Buch mit ausgesprochen vielen negativen Rezensionen. Ich habe sogar die CD gekauft. Das würde ich heute gerne abstreiten, wenn diese Scheibe nicht vor mir läge. Frau Hensel hatte ich schon längst vergessen, ohne eine Wertung abgeben zu wollen. Sie hatte mich mit Buch und Audio-Datei einfach nicht berührt. So ewas soll es geben. Ich bin zudem nicht der Typ, der Haare in einer Suppe findet, schreit und sein Geld zurückhaben will oder dergleichen. Ich gucke nur und dann gehe ich weiter. Über dieses verflixte Internetz kam jetzt plötzlich Jana Hensel wieder zu mir. Sie las mir einen offenen Brief vor. Schon bei den ersten Sätzen wußte ich, daß  Journaille ihn veröffentlicht haben mußte. Tja, es ist ein Kreuz mit Blickdiagnosen. Es geht in diesem Gejammer darum, daß sie nicht versteht, warum Merkel den Brüllern und Pfeifern bei einem Walkampfauftritt nicht ihre Meinung gegeigt habe. Die Diktion des Briefes ähnelt haargenau der des Buches „Zonenkinder“, aber ich bin nicht wieder wie damals gleich eingeschlafen, weil ich wahrscheinlich gedacht hab: Mensch, spinne ich oder die? Na ja, ich hatte ja nix gemacht und war mir daher keiner Schuld bewußt, aber dann habe ich einmal geguckt, wann diese Frau geboren wurde und wo sie aufgewachsen ist. Ich muß jetzt auch sagen, daß das Internetz nichts vergißt. So habe ich erfahren, daß sie tatsächlich zu einer Generation gehört, die ich heute mit einigen Erfahrungen als eine schon etwas verlorene Generation bezeichnen würde. Die würden nicht wie Hans und Gretel wieder nach Hause zum Vater finden, wenn man sie aussetzte. Meine Meinung ist aber nicht wichtig, sie interessiert mich ja selbst kaum. Jana Hensel hat in einem Interview tatsächlich gesagt, daß sie sich schäme, in Leipzig aus dem Zug auszusteigen, weil die Durchsagen des Bahnhofsprechers so schrecklich sächsisch klängen. Und just in diesem Augenblick sprach mich diese Trine persönlich an. Sie ist satt geworden mit einem Einschlafbuch, was fast niemandem gefiel, bekam dann Förderpreise, und ich kann mir denken, von wem, und jetzt versucht sie in ihrer abgestumpften, linksgrün gestrickten und aus meiner Sicht hoffnungslos verirrten Hammelherde den Kopf ein wenig zu erheben, um zu schauen, wo es noch vom Steuerzahler bezahlte Weidegründe gibt. Die ganze Sache ist einfach peinlich und ich hätte mir hier jetzt diese unfreundlichen Bemerkungen gerne verkniffen, wenn die Jana Hensel ein ganz klein wenig geschätzt hätte, woher sie kommt. Dann wäre es mir auch schnurz gewesen, daß sie vorgibt, keine Ahnung davon zu haben, warum die Leute Madame M. (ist keine gute Mutter) anbrüllen, auspfeifen und zum Abhauen auffordern. 

© Hendrik Gottschalk 2018



Wer gut die Augen davor verschließen kann, daß es die natürlichste Sache der Welt ist, wenn alles den Bach runter und nicht rauf geht, ist klar im Vorteil. 

Mir fällt allerdings jetzt ein, was ich über den Lachs gehört habe. Er soll der einzige Fisch sein, der auf seiner Reise gegen den Strom zum Laichen und zum Sterben Höhenunterschiede von zwei bis drei Metern kraftvoll überspringen kann. Es wurde auch berichtet, daß dieser Kraftfisch, sich von Klippe zu Klippe hangelnd, in Wasserfällen bis fünfzehn Meter nach oben gelangt. Dieses schöne Naturphänomen steht in einem krassen Widerspruch zu dem, was man wahrnimmt , wenn man nur kurz die Augen in der Hoffnung öffnet, es möge diesmal anders sein. Zugegeben, es gibt auch witzige Momente, nämlich die, wenn Serge Menga einige Leute aus der Kaste im Zusammenhang mit Journaille als "Pappnasen in einer Bananenrepublik" bezeichnet. Man kann diese Leute aber nun bezeichnen, wie man möchte, das ist dennoch vom Verhalten der Lachse meilenweit entfernt. Aus der Sicht eines Kraftfischs wäre es nun wahrscheinlich besser, sich wenigstens in einer Gruppe stark zu machen, um den minderwertigen Krawallmedien den Geldhahn zuzudrehen und die Rundfunkgebühr - was für ein liederliches Wort für unanständiges Zwangsfernsehen - zu verweigern. Lachse sind stumm und springen ... Was reimt sich darauf? 

Menschen sind vielleicht gar nicht für so etwas gemacht. Wenn man die Sehschärfe des menschlichen Auges mit der eines Falkenauges vergleicht. Was stellt man fest? Auch mit einem guten Fernglas wird das nichts. Wenn man die Hörempfindlichkeit vergleicht? Fast jedes Tier hört besser. Vielleicht der Elephant nicht, dessen große Ohren ihm in erster Linie Luft zufächern sollen? Und wenn man jetzt noch anfängt, an Wahrnehmungsstörungen zu denken, dann stellt sich doch nun wirklich die Frage, was der Mensch mit seiner Hirnmasse alles so anstellt. Die Wahrnehmung dient im Tierreich dem Leben und dem Überleben. Für den Falken kann es wichtig sein, Tauben in einer Entfernung von acht Kilometern zu sehen. Der Mensch läßt liefern und erinnert mit diesem Verhalten doch ganz deutlich an die mit dem Kopf nickenden und dergestalt Futter pickenden Tauben im Park und Georg Kreislers Lied. Diese Beispiele könnten in einer Liste wahrscheinlich so unendlich erweitert werden, daß alle Druckertinte der Welt nicht ausreichte, um dieses Vorhaben erfolgreich zu Ende zu bringen. 

© Hendrik Gottschalk 2018



Die Tagen werden wieder kürzer, wie der Volksmund mit seinem Hang zur mitunter naiven Heiterkeit gerne behauptet. Dann schreibe ich am fröhlichsten Weltmeer gerne ein paar Texte mit Spuren von Ironie. Mir ist vor Kurzem wieder aufgefallen, beziehungsweise ich habe mich daran erinnert, daß es in vielen medizinischen Fragen eine große Diskrepanz gibt zwischen dem, was man zu glauben oder zu wissen meint und dem, was man wissen könnte, müßte, sollte, um einen tatsächlichen Nutzen davon zu haben. Mal am Beispiel der Patienten. Viele fühlen sich durch "das Internet" bestens informiert. Mit einem üppigen Suchergebnis  auf diffuse Anfragen bei Google. Daß Zensur jetzt nicht automatisch die Falschinformationen filtert, darf man voraussetzen. Fast jeder Scharlatan ist ja mindestens seiner Landessprache mächtig und das Angebot an denkbarem Krimskrams ist nahezu unerschöpflich. Viele wissen aber auch durch ihre Recherche tatsächlich in Detailfragen gut bis sehr gut Bescheid. Sie verwenden offenbar ihren eigenen Qualitätscheck für Internet-Informationen und suchen gezielt auf den richtigen Seiten. Das freut ihre behandelnden Ärzte immer außerordentlich und trägt wie fast alles andere zur Vertrauensbildung bei. Bald kommt ein Mediziner - ganz ohne Ausbildung- auf  vier Einwohner. Das kann auch in vielen anderen Bereichen des Lebens Schule machen. Bildung, Information, Politik.

Mit der Wende kamen übrigens die praktischen Ärzte. Oft ohne abgeschlossene Facharzt-Ausbildung, aber mit der Lizenz  wie 007 zum, nein, das ist mir nur so rausgerutscht, aber fast alles und jeden "verarzten" zu dürfen. Auch Kinder. Bei jungen Säuglingen gehört im Rahmen der Entwicklungsuntersuchungen der Hüftultraschall bis heute dazu, weil viele die klinische Untersuchung der Säuglingshüften nicht mehr beherrschen und die Hüftdysplasien nicht zeitig genug erkannt werden. Es gibt also im Prinzip ein Screening-Verfahren, welches enorme Kosten verursacht, beträchtliche Mängel in der Ausbildung verdeckt und eine sehr gute Innovation, die der Ultraschall nun einmal ist, etwas in Verruf bringt. Die Herzspezialisten retten das Ganze allerdings auf höchstem Niveau. Als ich nämlich zusehen konnte, wie eine Koronararterie gereinigt und mir ein Stent eingesetzt wurde, sprangen mir vor Begeisterung fast die Augen aus dem Kopf. Herzkatheter kann ich jetzt also allen empfehlen. Für zehntausend Euro weiß man dann, daß das kleine Kranzgefäß wieder frei ist. Kassenpatienten und Migranten bekommen es bestimmt billiger, wenn nicht gar geschenkt. 

Andere Vorsorgeuntersuchungen führen nun aber zu wirklichen Problemen und erfüllen fast durch die Bank nicht die Erwartungen, die an diese gestellt werden. Der wichtigste Grund dafür liegt darin, daß es keine Vorsorge, sondern im besten Fall eine zufällige Früherkennung ist. Es werden selten Vorstufen der gesuchten Erkrankungen erfaßt und dementsprechend profitieren gesunde Menschen auch selten von diesen Untersuchungen. Einen Schaden wegen Falschbefundung, Überdiagnostik und Übertherapie erleiden hingegen wesentlich mehr. 

Zu Mammographie, Glaukom und Prostatakarzinom-"Vorsorge" gehe man auf die Seiten des Arznei-Telegramms und überprüfe dies. Das schmucklose Blättchen mit brisantem Inhalt finanziert sich durch Abonnenten, es legt Wert auf Offenlegung von Interessenkonflikten und Wert auf exakte Studien. Andere Seiten mit solch hoher Glaubwürdigkeit sind mir im Internet nicht aufgefallen. 

Nun haben wir es zur Zeit mit einigen geschichtsträchtigen Phänomenen zu tun. Da sind nur als Beispiel die hervorragend gelungene Energiewende und das empathische Eintreten der Impflobby für Menschenrechte, flankiert von immer offener werdenden Diskussionen und freier Rede, besonders in Nürnberg, um Nürnberg und um Nürnberg herum. Ganz besonders auch in täglichen Talk-Shows auf hohem Niveau mit gebildeten und anständigen Gästen.

Der kleine Ausflug zum Thema Hellsehen und beginnende digitale Demenz ist hiermit vorerst zu Ende. Noch ein Blick in die Zukunft. Dank der vielen fleißigen Wissenschaftler und Ingenieure wird man bald in der Lage sein, überall kranke oder insuffiziente Organe oder Organteile auszuwechseln. Wenn man dann noch die eingebaute Obsoleszenz berücksicht, kommt es zu heftigem wirtschaftlichen Aufschwung. Ein RFID-Chip wird dazu beitragen, dies alles artig zu koordinieren. 

© Hendrik Gottschalk 2018



Ein neuer Tag, eine neue Woche, ein neuer Monat. Es ist an der Zeit, sich wieder Erfreulichem zuzuwenden und sich zu erinnern, daß es ja ein witziges Sterbetagebuch werden soll. Es lebe die Heiterkeit. Moment, was war das denn? War das das Mittel gegen Gicht, Rheuma und schlechtes Wetter? 

Mir wird gelegentlich ganz freudig erstaunt gesagt, wie schön das doch für mich sein müsse, noch beide Eltern zu haben. Das ist wirklich schön und besonders wunderbar sind die Momente, in denen ich mich via Internet-Telefonie davon überzeugen kann, daß es ihnen mit ihren mehr als achtzig Jahren tatsächlich recht gut geht. Wenn ich mit meinem Vater spreche, der äußerst leger gekleidet vor seinem tragbaren Rechner sitzt und mit silbrig leuchtendem und vollem Haar gut aufgelegt zahlreiche heitere Episoden aus unserem gemeinsam verbrachten  Leben erzählt, dann bin ich besonders gern und dankbar ihr großer Sohn. Es hat mich immer begeistert, auf welchen Fundus meine Eltern zurückgreifen konnten und noch können. Vom Leben in ihrer Zeit arg gebeutelt und dennóch unverwüstlich konstant vom Glauben an Werte geprägt. Dadurch die Contenance bewahrend und mir damit auch jetzt wieder helfend. Sie haben sich immer Sorgen gemacht um ihre Kinder und ihre Enkelkinder. Die sich jetzt plötzlich einstellende Frage, wo sind andere sich sorgende Eltern eigentlich hin, muß ich wohl grimmig lächelnd wieder in die klemmende Schublade meiner Erinnerungen stecken, voir en haut.

Es ist aus heutiger Sicht fast ein wenig schwarz-witzig, daran zu denken, daß wegen einer als simpel eingeschätzten und aus geringem Anlaß eingeleiteten ambulanten Operation ein Herzstillstand eingetreten war, aber nur, weil es glimpflich ausging. So verhält es sich auch mit überstandenen schweren Erkrankungen. Hinterher lacht man, vorher eher nicht, zumindest nicht ohne weiteres. Und wenn man sich daran erinnert, wird man feststellen, daß es ein Segen ist und eine Gnade, daß sich Kinder an ihren Eltern erfreuen und diese sich andersherum ebenso. Wenn meinem Vater aus dem Stegreif heitere Aphorismen einfallen und er den Autor auch noch benennt, dann ist uns nicht Bange. Wenn wir beide uns darüber freuen, gemeinsam und herzlich lachen zu können, dann machen wir uns keine Sorgen. In dem Moment. Über gar nichts.

© Hendrik Gottschalk 2018



Fragmente – von Roi Henry mit Beiwerk von Frank Jordan 

Weil das hier eine Art fröhliches oder zumindest witziges Sterbetagebuch werden soll, werde ich heute … Mein Gott! Was denn, wenn, was bleibt, in jenen Krampf reinfliesst, der da heisst „Contenance wahren“? Eine Art von Fassung? Wenn die Fassungslosigkeit grösser wird als du selbst, der Pulsschlag der Leere?

Wie sie abwehren, sie füllen? Mit beissendem Spott? Alles gut Leute – alles halb so wild. Wir sind heute so frei wie damals. Die DDR – das war auch nicht so schlimm. Wir waren auch frei. Wir waren immer frei. Ich kann ein Lied von dieser Freiheit singen. Es trällern – erst an der Gitarre, später an der Grenze nach West-Berlin. Geflüchtet vor dem Übermass an Freiheit in die neue Heimat. Wir waren damals derart frei, dass man uns nur zu schubsen brauchte, und schon verrieten manche alles. Nur Geduld, er kommt wieder, dieser Exzess an Freiheit. Und bis dahin: „Ach, trinkt doch, Freunde! Werft Gläser an die Wand! Flucht, so laut es geht! Stellt lärmend eure Regierungstreue unter Beweis!“ (Solschenizyn)

Sie haben keine Ahnung, wovon ich rede, nicht war? Wie auch? Sie haben keine Ahnung, wie Zersetzung und Propaganda funktionieren. Man möchte Ihnen gratulieren ob der Unbeschwertheit, in der Sie leben, aber man kann es nicht. Weil heute wieder derselbe Fehler begangen wird, den Mitläuferschaft stets begeht – ihre einzige Tat vielleicht: Gleichgültigkeit. Sie sagen, es sei bloss eine Haltung? Nein, halte ich dagegen – für eine Haltung entscheidet man sich. Also ist sie Tat. Ihre Tat. Unsere. Ist es Dummheit oder Kälte? Völlig egal beim Blick in Kinderaugen. So wird man zum Henker. Wie werden sie zurechtkommen in dieser bunt zerstörten Welt? Wie werden sie Ali oder Mustafa ihre Grenzen zeigen, wenn sie nicht wissen, was Grenzen sind? Wie sich wehren gegen Gewalt, auf die man sie nicht nur nicht vorbereitet, die man ihnen vielmehr verschwiegen und verboten hat?

Man konnte übrigens wirklich nicht alles lesen damals, nicht alles sehen, nicht alles hören. Genug aber allemal. Schon während des Studiums stellten einige fest, dass ein Parteibuch des SED helfen konnte bei vielem. Für alles andere gab es Scheuklappen. Auch ich legte mir ein paar an die Augen, kultivierte Zerstreutheit und hatte nie grosse Probleme, der Stasi aus dem Weg zu gehen. Abgesehen von der Mitschuld durch Schweigen und Eigeninteressen blieb man so relativ sauber. Das ist so üblich in Diktaturen. Man ist erledigt, wenn man sich gegen das System, die Spielmacher, die grosse schweigende Masse stellt.

Wenn man uns nur fragte! Wir könnten euch sagen, wohin die Reise geht und wozu sie führen, die Scheuklappen. Ich rettete mich damals, als die Stasi noch Stasi genannt wurde, mit einer ausgemachten Stieseligkeit. Ich rettete mich, indem ich stoisch vorgab, Medizin studieren und Arzt werden zu wollen. Ich konnte auch gut stottern und habe mich ausmustern lassen. Das ist nicht heldenhaft. Aber ist es feige, wenn überall Scheuklappen rumliegen? Wer zwei Paar davon nimmt, kriegt das dritte gratis. Ich hatte wegen der Medizin keine Zeit für Schwedt oder Bautzen.

Und heute? Dasselbe – keine Zeit. Wir wundern uns über den einen oder anderen Streifen am Himmel, aber dann gucken wir wieder nach unten, zurück oder verschließen unsere Augen. Würden wir uns auch so verhalten, wenn plötzlich jeden Tag mehrere Kängurus über unsere Wege hüpften? Es ist anzunehmen. Sie wären ebenso schnell inkludiert, wie die messerstechenden, machetenschwingenden und amokfahrenden Zeitgenossen. Alles Gottes Geschöpfe. Wie der Wal, das Nashorn, die Tarantel, der Kugelfisch, die Beutelratte. Wie die Politiker, die Journaille, der Klerus und die Untertanen.

Mein Abitur habe ich im Abendstudium an der Volkshochschule erworben. Es war billig und kostete pro Semester nur achtzig Ostmark. Wir lernten damals nicht, dass die Erde flach ist, dass alle Menschen gleich sind und dass der Islam eine Friedensreligion ist, die zur DDR gehört. Wir lernten anderes und haben uns nicht gewundert, dass Flüchtlinge an der Grenze erschossen wurden, nicht darüber, was politische Häftlinge zu berichten hatten und schon gar nicht darüber, dass erst Rentner über die Grenze in den Westen gelassen wurden. Das war es, was wir wussten. Jeder, der nicht auf den Kopf gefallen war. Und es war nur eine Frage der Zeit, bis sich genügend Menschen fanden, die Montags demonstrierten und kundtaten, dass sie nichts , aber auch gar nichts zu verlieren hätten, wenn Honecker nebst Gattin nach Chile verschwände, die Grenze geöffnet und die DM-Mark Zahlungsmittel wäre. Man kannte zumindest den Begriff Freiheit. Hatte eine vage Ahnung davon.

Und heute? Fast scheint es, als hätten wir erneut das Mass verloren. Das Mass für Freiheit. Jeder weiß das oder jeder könnte es sehen, wenn es ihn interessierte. Es schlackern dem alten Ossi die Ohren vor Verwunderung darüber, was alles möglich ist, wenn man mit Geduld und Geld den Kompass der Untertanen verstellt. Während Information und Emotionen längst inflationiert sind, ist der gesunde Menschenverstand auf der Strecke geblieben. Nein, er ist nicht einfach auf der Strecke geblieben. Er wurde aberzogen – bewusst getötet. Ansonsten wüsste jeder: kein Mensch braucht einen Staat und unendlich viele Schmarotzer. Und er wüsste: „Alles, was ich Euch gebiete, das sollt Ihr halten und danach tun. Du sollst nichts dazutun und nichts davontun.“ 5. Mose 13.1

Heute sind die Maulkörbe schon angeboren, die Scheuklappen werden anerzogen, angefördert und angebildet. Man möchte bloss eines: Schnell und weit laufen. So schnell und so weit man kann. Wozu? Um allein zu sein, wenn die meisten zurückbleiben? Um von fern sich davon zu überzeugen, dass die Kinder nicht nur weinen, sondern leiden werden?

Jetzt ist sie wieder da, die Fassung. Ramponiert zwar, geschunden, sitzt sie in der Ecke. Es reicht. Ich werde mir nicht das Herz und Hirn fressen lassen. Nicht von der Angst, nicht von schweigenden Menschen. Nicht von der Ahnungslosigkeit und von geschlossenen Mündern. Von keiner Ideologie, die immer, immer Rechtfertigung ist. Für alles.

Hat irgendjemand wirklich geglaubt, dass ich mir das noch einmal gefallen lasse?

© Hendrik Gottschalk 2018



Mein Gott, wie schüttelt es mich täglich, wenn ich die Augen öffne und schweißgebadet erwache. Ein dummer Affenstall ist Kultur gegen das, was man nicht nur in Deutschland zu sehen bekommt. Es ist an Widerwärtigkeit kaum zu überbieten, es ist krankes Zurschaustellen von Leichenteilen.

Der Gedanke an Friedfertigkeit, den Dr. Daniele Ganser zu verschwenden scheint, ist nicht verschwendet. Soviel ist sicher. Gott wird es sich nicht gefallen lassen, daß man so widerwärtig dem Menschsein lästert. Adam und Eva waren keine Affen. Auch wenn das die Journaille offensichtlich fordert und viele das nicht verstehen.

© Hendrik Gottschalk 2018



Wenn man das Land verläßt, das man liebt, kann man das Weggehen wohl nicht als Liebeserklärung bezeichnen. Als die Stasi noch Stasi genannt wurde, zu dieser Zeit konnte ich mich mit einer ausgemachten Stieseligkeit retten, indem ich stoisch vorgab, Medizin studieren und Arzt werden zu wollen. Ich konnte auch gut stottern und habe mich ausmustern lassen. Das ist nicht heldenhaft, aber es ist eben auch nicht feige. Wozu gibt es denn Scheuklappen? Ich hatte wegen der Medizin keine Zeit für Schwedt oder Bautzen. Aus heutiger Sicht fehlt mir Hafterfahrung überhaupt nicht, denn wenn man erkannt hat, daß Maulkörbe inzwischen angeboren werden, dann sollte man so schnell und weit laufen, wie man kann. Leider bleiben viele zurück, man kommt sich einsam vor. Und wenn man dann ein Buch wie „Der Turm“ liest, dann kommt alles wieder hoch. Die Piefigkeit, die Verkniffenheit, der Untertanengeist in jeder Zeit. Damit werde ich nicht fertig werden. Gewiß, mich hört niemand, auch wenn ich gnädiger urteile. Ich lese auch hoffnungslose Opportunisten wie Klonovsky und Barthels. Die gehören immer dazu, wenn man etwas in die Tonne treten möchte. Alleine schafft man es nicht, den Müll zu entsorgen. 

© Hendrik Gottschalk 2018



Wir werden es uns nicht gefallen lassen.

Brief eines Namenlosen an den berühmten Wessi. 

Ich habs mit Blickdiagnosen, weil sie meinem Verständnis von Abstraktion und Verstehen am nächsten kommen. Viele haben keine Kinder. Ich habe Kinder und ich denke, daß diese in Zukunft nicht nur weinen, sondern auch fürchterlich leiden werden. Man hofft auf ein Wunder und weiß nicht, daß das Wunder in einem selber schlummert. Ich habe keine Ahnung, wie das passsieren konnte, aber jetzt haben wir den Schlamassel. Wir haben Hitler nicht verhindert, wir werden den zweiten Hitler nicht verhindern. Welche Kräuter muß ich nehmen, um etwas tröstlicher zu schreiben? 

Ich gehe davon aus, daß Sie keine Ahnung haben vom Leben in der DDR. Die hatten ja selbst die naiven Bürger damals nicht. Begriffe wie Loyalität wurden damals so scharf geschliffen wie Diamanten. Das fehlt heute. Es ging allerding im Alltag lediglich um den gemeinen Verkauf seiner Ehre. Das wird bleiben, auch wenn die Journaille anders tönt und die Mitläufer zu allem schweigen. Sie haben keine Ahnung, wie Zersetzung und Propaganda funktionieren. Man möchte Ihnen gratulieren ob der dummen Unbeschwertheit, in der Sie aufgewachsen sind, aber man kann es nicht, weil Sie heute wieder den gleichen Fehler begehen, den alle Mitläufer machen. Sie wählen die Gleichgültigkeit. Eiskalt oder dumm, aber das ist völlig schnuppe, wenn wir auf unsere Kinder schauen, die nicht abgetrieben wurden. Werden diese zurechtkommen in dieser durch Multikulti völlig zerstörten Welt? Werden sie in der Lage sein, dem Ali oder dem Mustafa seine Grenzen zu zeigen, wenn er ihre Frau begehrt? Und selbst wenn Schweinefleisch ungesund sein sollte, wäre es nicht Ihre Pflicht, dafür zu sorgen, daß es die Tiere guthaben? Ich weiß nicht, was Sie für Drogen nehmen, aber ich denke, auch Sie wird es nicht retten, wenn Sie sich dem Islam unterwerfen. Viele Romane wurden damals im Westen nämlich nur veröffentlicht, weil ihnen der Ruf des Verbots vorauseilte. Steht Unterwerfung nicht dem Frieden, den diese „Religion“ Islam ausstrahlt, im Wege? Wie kann es sein, das kleine Mädchen alte Männer heiraten müssen? Wo sind Sie, der weltweite Gerechtigkeit fordert? 

Man konnte übrigens wirklich nicht alles lesen, nicht alles sehen, nicht alles hören. Die DDR war ein richtig brutales Gefängnis. Wie Ihr Kopf. Sie kennen die Stasi nicht. Gucken Sie den Film „Der Turm“.  Sie wissen nicht das Geringste. Und Ihre Ahnungslosigkeit soll uns unser Leben kosten? Das glauben Sie doch selber nicht, daß wir uns das noch einmal gefallen lassen. 



Der Atlantik sieht jeden Tag ein bißchen anders aus, trotzdem bietet er durch seine duftende  und rauschende Präsenz Halt. Gewiß, er gehört zum nassen Element, aber selbst dieses Wissen schreckt mich nicht. Ich denke nicht daran, daß man in ihm ertrinken kann, ich denke an das Leben mit ihm und durch ihn. Obwohl ich ihn jetzt bereits mehr als tausendmal nicht nur gesehen, sondern auch mit jedem Sinn gespürt habe, kann ich sagen, daß er mich bestimmt noch weitere tausendmal überraschen wird. Mir gefällt, wie er mir davon erzählt, daß es schon seit Ewigkeiten Ebbe und Flut gibt. Mir gefällt seine unbändige Freude, das Land zu zerzausen und ein paar Hanseln darob in Aufregung zu versetzen. Mir gefällt , wie er mir am Abend die Gewißheit gibt, am nächsten Tag wieder für mich, meine Augen, für meine Lunge, für mein Herz dazusein. Womit wir bei Illoyalität wären. Was ist das eigentlich? Das Lexikon erschöpft sich in Aufzählungen wie Treue, Zuverlässigkeit, Ergebenheit, Gesetzestreue, Aufrichtigkeit, Achtbarkeit, Anstand, Anständigkeit, Pflichtbewusstsein, Pflichttreue, Ehrenhaftigkeit, Redlichkeit, Rechtschaffenheit, Lauterkeit, Fairness, Integrität und Unbestechlichkeit. Na gut, ein Lexikon kennt keine Emotionen, es beschreibt alles nüchtern und damit unvollständig. Was mich an dieses wunderbare Meer verschlagen hat? Die Flucht vor Illoyalität, vor Unrecht und vor offenem Verrat durch diejenigen, denen man für gewöhnlich am meisten vertraut. Es hat niemals irgendjemanden interessiert. Beim Atlantik bin ich mir sicher, daß er mich versteht. Zum Beispiel watscht er gerne Deppen ab, die nicht begreifen wollen, daß er gewaltige Kraft hat und sie schwächer sind als er. Er bildet kleine Strandseen, in denen sogar Säuglinge gebadet werden können. Er mag die Menschen. Er nimmt sich nur Bauten, deren Bauweise ihn verlachen möchte. Trotzdem weiß er, was Humor ist. Für mich sieht es immer aus, als ob er schmunzelt oder lächelt. Ich hoffe, daß er meine Erfahrungen mit Illoyalität langsam, aber vollständig ertränkt. 

© Hendrik Gottschalk 2018



Wenn man mich fragte, was ich überhaupt nicht leiden kann, dann würde ich immer die fehlende Abstraktionsfähigkeit meiner Zeitgenossen nennen. Danach erst kommt die unehrliche Verkniffenheit. Viele bezeichnen das auch als Rumgeeiere, aber ich finde keine passenden Worte für dieses schwammige und konsequent opportunistische Verhalten der Konformisten. Witzig hört es sich ja an, wenn man es in Fremdwörter verpackt wie einen stinkenden Fisch in Zeitungspapier. 

Inzwischen gehe ich davon aus, daß eine gewaltige Schädigung der geringen Hirnmassen stattgefunden hat und habe dabei das Bikini-Atoll mit den Kernwaffentests vor Auge. 

Was alles so hingenommen wird, es spottet jeder Beschreibung. Man kann es eigentlich gar nicht in Worte fassen, ohne beleidigend zu werden, und das liegt mir wirklich fern. Ich hege dennoch ein wenig  Groll gegenüber den Insuffizienten und den geistig und an Stolz Armen. Mir wird auch übel, wenn ich sehe, wie die im Hamsterrad schon kotzen, aber den Ausgang nicht finden. Wie gesagt, hier handelt es sich um Fragmente und manchmal ist es wohl besser, wenn es Fragmente bleiben. 

© Hendrik Gottschalk 2018



Es war einmal, aber vor nicht so sehr langer Zeit, da hatte ich auf einmal so einen Heißhunger oder grenzenlosen Appetit auf frische Erdbeeren. Es war schon Ende Mai, und ich sah in meinem kleinen Laden tatsächlich ein paar Schälchen mit frischen Erdbeeren aus Deutschland. Flugs nahm ich eine dieser kleine Portionen, bezahlte diesmal lächelnd und ging wahrscheinlich schneller als sonst nach Hause. Dort angekommen, wusch ich die leckeren und hübschen roten und herrlich duftenden Früchte  unter klarem Wasser. Dann schnitt ich sie mit meinem kleinen Lieblingsmesser aus rostfreiem Stahl behutsam in kleine mundgerechte Stücke. Das war schon eine Vorfreude.

Anschließend nahm ich ein wenig Zucker und streute ihn vorsichtig auf dieses köstliche Fruchthäufchen.

Ich mußte mich sehr beherrschen, aber ich ließ das Schälchen ein paar Minuten, die mir aber wie Stunden vorkamen, ziehen. Der Saft der Erdbeeren zeigte sich mir wie die aufgehende rote Morgensonne.

Dann goß ich sachte ein kleines Schlückchen Milch darüber und rührte alles ganz, ganz, ganz behutsam um. 

Was soll ich jetzt noch sagen? Ich nahm mir meinen größten Löffel....., und ich aß in einem Affenzahn alles auf. Na ja, ich habe sie eben einfach verschlungen. Noch heute denke ich gerne an dieses Erlebnis, erzähle den Kindern davon, die sich nicht daran satt hören können. 

Ja, so war das damals.

© Hendrik Gottschalk 2018



Zur Langeweile wollte ich auch einmal etwas notieren. Ich weiß noch gut, was Langeweile ist. Zuletzt hatte ich sie im Alter von vierzehn Jahren. Ich wußte nicht, was ich machen sollte. Ich wollte auch gar nichts machen, nur stummen Protest üben gegen alle mir sinnlos erscheinenden Vorschläge meiner lieben Mutter. Ich glaube, Vater hat damals gelächelt. 

Langeweile drückt einen Zustand und ein Empfinden aus. Man fühlt sich langweilig. Dann ist man aber auch langweilig. Wer will denn schon langweilig sein? Studienfach für Feministinnen? Lassen wir das. 

Es gibt eigentlich immer etwas zu tun. Viele dieser Dinge kann man aber nicht irgendwo abrechnen. Zum Beispiel interessiert sich kein Schwein dafür, ob man die Glocke von Schiller, ein Gedicht von Villon oder den Holocaust im Kopfe hatte, als man bequem und scheinbar faul im Sessel  mehr lag als saß. Denken oder die Variante des Nachdenkens sind doch keine Zeitverschwendung, oder? Mit anderen Worten, heute weiß ich nicht mehr, was Langeweile eigentlich ist, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, daß heute viele unter ihr leiden. Auch, wenn diese gut staubsaugen, Wäsche waschen, aufräumen, quatschen und vor allem Wind machen können. 



Eine Frage, über die ich seit geraumer Zeit brüte und welche mich nicht zur Ruhe kommen läßt, weil sie ein bezeichnendes Licht auf eine nahezu völlige Unwissenheit wirft, ist die Frage nach Sinn und Unsinn von Impfungen. Ich will ordentliche Zulassungsstudien.

Nachdem ich vor Kurzem einen noch einigermaßen heiteren Disput mit einem Freund darüber hatte, wollte ich einmal versuchen, Argumente für und wider das Impfen zu finden und diese anschaulich darstellen.

Dieser Ansatz ist nun aber als die eigentliche Schwierigkeit und das Hauptproblem dieses Versuchs anzusehen. Es ist erforderlich, herauszufinden, was der kleinste gemeinsame Nenner ist, wodurch er limitiert wird und welchen Nutzen die Informationen im Endeffekt für jeden haben. 

Es macht allerdings keinen Spaß, festzustellen, daß die Frage nach dem Warum vielen nur bei Krimis wichtig ist, wenn das Motiv des Täters untersucht werden soll. Dem potentiellen Mörder Menschenliebe zu unterstellen, ist nämlich ungefähr so pfiffig, wie anzunehmen, daß börsennotierte Pharma-Unternehmen einzig und allein dem Wohle der Patienten dienen. Ich halte fest, ein generelles Interesse an der Lösung bestimmter Fragen besteht offenkundig gar nicht. Das ist vielleicht schade, aber wir kennen das bereits aus dem Alltag. Während sich einige verzweifelt fragen, wohin die Wahl zwischen Pest und Cholera führen soll, vervollständigen andere ihre Briefmarkensammlung, schalten den Ortungsdienst am Smartphone ein und geben verschiedenen lustigen Apps Zugriff auf Mikrofon, Kamera, Kontakte und Fotos. Vergessen wir nicht die inzwischen etablierte Forderung nach totaler Toleranz für Pigmentierte und Gepiercte. Oder das Verständnis für das Diktat sich bekennender Lesben und Schwulen. Angeblich sei bei Sexualkunde-Unterricht in der Grundstufe Schluß. Wir müssen uns von dieser sentimentalen Quatsch-Phantasie trennen. Es ist eben nicht Schluß.

Sind solche elementar wichtigen Vorgänge wie Wahrnehmung, Differenzierung und Abstraktion erst einmal wesentlich beschränkt, ist eine Umkehr zurück zu dem, was wir Denken nennen, nämlich nicht mehr so ohne weiteres möglich. 

Die Grenze zwischen denen, die noch bei klarem Verstand sind und denen, die dies lediglich unbegründet so einfach annehmen, verläuft leider fließend. 

Also zum Impfen. 

Medizin hat sich an ethischen Normen zu orientieren, nicht an dem, was Marktschreier und Mietmäuler von sich geben. Medikamente sollten mit kontrollierten doppel-blinden oder besser mit dreifach-blinden Studien mit Placebo-Gruppen auf Wirksamkeit und Verträglichkeit getestet werden. Diese Tests sind wissenschaftlicher Standard, finden aber bei Medikamenten nur ungenügend und bei Impfstoffen gar keine Anwendung. Daher können bisherige Studien ruhigen Gewissens als Betrug bezeichnet werden. Belege finden sich im Arznei-Telegramm. Man muß es lesen, wenn man wissen möchte, ob es unabhängig ist. Man bekommt es nicht gratis wie die Prospekte der Pharmafirmen. 

Es ist allerdings auch nicht von der Hand zu weisen, daß nach Einführung der Polio-Impfung die Kinderlähmung fast völlig aus Europa verschwand und nach der Röteln-Impfung nur noch ganz selten die Röteln-Mißbildungen durch Infektion in der Frühschwangerschaft auftraten. Da das Polio-Virus oral-fäkal übertragen wird, können auch verbesserte hygienische Lebensbedingungen in Europa eine Rolle spielen. Statistiken über infizierte Pflegepersonen von mit Schluckimpfstoff geimpften Kindern gibt es jedenfalls auch nicht. Auch wird nicht diskutiert, was die Zusatzstoffe wie Quecksilber oder Aluminium im Körper anrichten oder eben nicht anrichten. Keine Studien. 

Nun jedoch einen Freifahrtsschein für die Einführung von fast unzähligen Impfungen zu verlangen, spricht einerseits für eine gewisse Skrupellosigkeit der Hersteller, andererseits für skrupellose  Gewissenlosigkeit der verantwortlichen Mediziner, Beamten und Funktionäre. Und wenn man jetzt noch sieht, in wessen Horn die Medien blasen, ist ein Jahrhundertskandal perfekt. Nur einer von vielen.

Es ist ekelerregend, aber letztendlich auch langweilig, das immer an Zahlen beweisen zu müssen. 2014 gab es in Deutschland 444 gemeldete Masern-Fälle. Ein Patient mit einer bis dahin unauffälligen Herzerkrankung verstarb. Die Zeitung spricht in diesem Zusammenhang jedoch von 400 Toten durch Masern täglich weltweit und geht mit keiner Silbe darauf ein, daß die armen Länder der Erde nicht in den Genuß gesunder Lebensbedingungen wie Hygiene, preiswerter Medikamente und ausreichender Lebensmittel kommen. Nicht zuletzt hat man beschlossen, die TBC-Impfung abzusetzen. Wegen Verfälschung des Tuberkulin-Tests und unzureichenden  Impfschutzes. Ich vermute, die Impfung hat sich nicht rentiert. 

Mit Tetanus sieht es ähnlich aus. In Deutschland infiziert sich fast niemand, weil fast niemand mehr Kontakt zu den Erregern hat. In Afrika hingegen sterben angeblich ganz viele Neugeborene an Nabelinfektionen durch Clostridien. Die Impfung soll alle zehn Jahre wiederholt werden, weil der Schutz nachläßt. Woher will man das denn wissen, wenn es keine Studien gibt?

Man muß auch bei der Frage, gegen welche schlimmen Erkrankungen soll geimpft werden, die Kirche im Dorf lassen. Wer Angst vor Herpes zoster im Alter hat, weil diese mitunter sehr schmerzhafte Erkrankung angeblich die häufigste Ursache für Selbstmord bei alten Menschen ist, kann sich doch gerne dagegen impfen lassen. In den USA senkt der Impfstoff angeblich die Häufigkeit um 50 Prozent. Und dies wieder ohne ehrliche Studien. Die Ängste werden via Medien gut geschürt.

Wer jedoch zustimmt, daß ein Kind in den ersten dreizehn Lebensmonaten vierzig Impfungen erhalten soll, ist aus meiner Sicht irgendwie degeneriert und damit selbst für die weitere Beeinträchtigung seiner Nachkommen verantwortlich. 

Mein Fazit lautet:  Wenn die zehn Forderungen an die Durchführung von Zulassungsstudien erfüllt sind, kann man mit den Eltern ergebnisoffene Impfberatungen durchführen und streng individuell impfen oder es bleiben lassen. Eine gesetzliche Impfpflicht sollte der gesunde Menschenverstand ablehnen. Diese Vorgehensweise mag Diktaturen vorbehalten sein.

Der Verweis zu den zehn Forderungen http://www.dagia.org/en-gb/comment/3086

© Hendrik Gottschalk 2018



Keine Ahnung, ob die Nachricht stimmt, daß der Islam die Frauenkirche in Dresden zerstören will, aber die Gleichgültigkeit, in der diese Drohung versinkt, befremdet mich. Es wird nicht einmal nur eine mediale Gleichgültigkeit sein oder das typische Arbeiten der Journaille mit Weglassen wichtiger Informationen, sondern eine allgemeine Abgestumpftheit mit glasigen Augen, wirrem Haar und Antriebslosigkeit. In diesem Zusammenhang kann man wohl tatsächlich vom Reifen respektive Faulen am Terror sprechen, so wie das ein Funktionär ausgedrückt hat. Das alles ist viel befremdlicher als eine tote Maus in der Champagnerflasche. Man kann sicher ganze Romane darüber schreiben, wo es überall hakt. Hadmut Danisch hat die Andeutung eines Verdachtes geäußert. Es könnte sein, daß viele Menschen bereits mit bestimmten Nahrungsmitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln quasi vergiftet oder so geschädigt sind, daß es zum Bild passen würde, welches sich aufdrängt, wenn man genau hinguckt. Auf die Impfungen und ihr Vergiftungspotential will ich hier gar nicht eingehen. Sind das alles so uninteressante Fragen? Sehen Obst und Gemüse nicht wirklich mitunter merkwürdig aus? Die italienischen Trauben sind mit einer weißen Schicht bedeckt, die sich schwer entfernen läßt. Die französischen nicht. 

Ich habe keine Angst vor Glyphosat im Bier oder Antibiotika im Fleisch, sondern nur ein ungutes Gefühl, aber eigentlich gehören solche Sachen doch nicht in Nahrungsmittel, vielleicht ins Labor, oder? Wenn ich mir die sogenannten Zuckerersatzmittel anschaue, ist es nicht anders. Acesulfam-K, Aspartam, Cyclamat, Neohespiridin DC, Saccharin und Sucralose zum Beispiel. Klingt nicht jede Substanz irgendwie unnatürlich und haben denn alle Menschen die Krankheit  Diabetes mellitus, die eine Zuckerreduktion erfordert? Es wird mit Sicherheit keine aussagekräftigen Studien darüber geben, denn wer sollte die bezahlen? Dafür ist kein Geld da, denn das wird in Werbung für diesen Schrott gesteckt. Und wenn man es tatsächlich schafft, an all diesen Merkwürdigkeiten pfeifend oder in sein Smartphone guckend vorbeizugehen, ist man der lebende Beweis für das, was ich oben festgestellt habe. Wer an einer Blickdiagnose interessiert ist, schicke mir ein Foto von sich. Besonders aussagekräftig sind blöde Selfies.

© Hendrik Gottschalk 2018



Man weiß, daß Denken von Natur aus auch an biochemische Vorgänge gekoppelt ist und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie man diese noch mehr verlangsamen kann, aber viele bekommen das irgendwie hin. Diese Langsamdenker werden es wahrscheinlich auch nicht wissen. Schade eigentlich, das wär es doch gewesen, wenn man herausbekäme, warum einige so extrem langsam denken können. Möglicherweise ist das gar kein Denken. Ich bin nicht der Fachmann. 

Manchmal versuche ich, mich in die Lage eines Kindes oder eines Jugendlichen zu versetzen. Mir gelingt es aber noch nicht, mir vorzustellen, daß ich dann aus Langeweile von einem Sitzmöbel falle oder beim Anlehnen an eine Wand einfach umkippe. Das sind nur zwei Beispiele für wahrscheinlich schwerwiegende Denkprozesse in dieser Altersgruppe. Wie sieht es aus mit Jugendlichen oder jungen Erwachsenen? Kennt jemand auch diese sehr Aktiven, die sich am Meer und seinem einzigen Brecher am Strand Abschürfungen, Verstauchungen und Zerrungen holen? Woran denken die? An ihre Freundin zu Hause, an Pokomons, an die Zukunft? Man weiß es nicht, denn sie verraten es einfach nicht. Sie zucken die Schultern, lachen mich an und gehen ihren Weg. Möge Gott sie beschützen. Ich kann es nicht. 

© Hendrik Gottschalk 2018



Viele kenne ich nicht, die schon als kleine Wutbürgerlein auf die Welt gekommen sind. Ich kannte einige süße Babies, die ständig und anscheinend ohne Grund schrieen. Aber das ist schon wieder eine andere Geschichte.

Wer sich an echte Waldmeister-Limonade, Pferdeäpfel und einen romantischen See aus seiner Kindheit erinnert, an dem er nach Lust und Laune mit seinen Gefährten tollen konnte, hätte im Allgemeinen gute Chancen, kein Wutbürger zu werden, wenn man ihn in Ruhe und Frieden alt werden ließe. Ich kann alles noch gut riechen, so intensiv muß das vor hundert Jahren gewesen sein. 

Leider  haben nicht alle solche Erinnerungen. Das kann man einfach feststellen, auch ohne großes Talent für Blickdiagnosen oder Abstraktion zu besitzen. Wenn wir uns die schwarz Vermummten anschauen, die regelmäßig auf deutschen Straßen und Plätzen ihr Unwesen treiben, dann fällt selbstverständlich auf, daß dies Schreikinder gewesen sein müssen oder deren Milch war regelmäßig sauer. Bei mir waren sie als Kind bestimmt nicht, denn dann wären sie gesund geworden. Wenn man diese Gestalten sieht, dann denkt man doch an alles mögliche, aber nicht an Waldmeister-Limonade, Pferdeäpfel oder einen kleinen verschlafenen See mit im Sonnenlicht glitzernden Libellen. 

Nein, man denkt im Prinzip schon das Richtige, guckt nach Fluchtwegen oder ruft ihnen ein freundliches und schallendes „Nazi hau ab!“ zu, wenn man sich, wie bei Legida geschehen, in einer starken Gruppe befindet. Jede darüber hinaus gehende Beschäftigung mit dieser einfältigen, aber gewalttätigen Masse, verbietet uns der eine oder andere Reflex und das gesunde Volksempfinden. Ich verwende gerne Worte wie „einfältig“, „Volk“ und „Masse“, und ich weiß gar nicht so genau, weshalb das so ist. Vielleicht weil es Schnittmengen gibt? Vielleicht, aber es ist die Frage, wie man das hätte verhindern können. Nicht durch mörderische Abtreibung, nein, natürlich nicht, sondern durch liebevolle Erziehung in einer wirklich menschlichen Gemeinschaft. Eine solche ließe es nämlich nicht zu, daß sich solche Massen abhängen oder abgehängt werden. Na gut, dann das noch: Abtreibungen in den derzeit praktizierten Mengen sind einer zivilisierten Gesellschaft unwürdig. Was folgt daraus? Eben. Nichts anständiges. Und ein Verbot der Internet-Plattform dieser Chaoten medienwirksam ein paar Wochen vor der Bundestagswahl ist genauso unanständig wie fast alles, was der Staat macht.

© Hendrik Gottschalk 2018



Heute, mit gefühlten Lichtjahren Verspätung, sagt man mir, ich hätte meine Klientel überschätzt. Hierzu zwei Bemerkungen. Erstens, ich hatte nie Kunden, sondern Patienten. Bei medizinischen Versorgungszentren sieht das anders aus. Das ist so und ich mag auch nicht mehr darüber streiten. Zweitens, was das Überschätzen angeht, ich bin mir nicht sicher. Die Menschen, mit denen ich zu tun hatte, mit denen ich gesprochen habe, die ich versorgt habe und für die ich immer da war, machten nicht den Eindruck, als wären sie dumm. Aber. Wenn ich heute darüber nachdenke, kann ich jetzt sagen, daß ihnen schon etwas fehlte. Damit bin ich wieder bei der Impfung für die Freiheit. Das ist schon alles, was ich dazu sagen kann. Man sehe sich doch nur die sogenannte Diskussion zwischen Impfgegnern und Befürwortern an. Diese Auseinandersetzungen werden irgendwann peinlich und öde. So wird das nichts. Wirklich diskutieren kann man nämlich nur ohne Helm, ohne Netz und ohne doppelten Boden. 

© Hendrik Gottschalk 2018



Ein großes Dankeschön an Frank Jordan für die Hilfe beim Feinschliff meiner ungehobelten aus dem Bauch heraus geschriebenen Fragmente!

Kommt nach Deutschland! 24. August 2017 / frankjordanblog

Schienbeintritte und Albernheiten – Fragmente von Roi Henry

Verachtung ist ein großes Wort. Leichtfertig sollte man es nicht verwenden. Man sollte es vorsichtig angehen. Und konziliant natürlich. Mit einem Lächeln auf den Lippen geht alles leichter, flüssiger. A la rigueur dünnflüssig.

Ich lache für mein Leben gern. Ich lebe für mein Leben gern. Und doch ist sie da, die Verachtung. Ist irgendwann reingekommen und hat sich hingelegt wie ein zugelaufener Hund. Ich empfinde sie inzwischen für vieles. Sie steht mir in punkto Lebensfreude zwar bloß ein bißchen, aber deutlich im Weg. Was macht man damit? Ihr ausweichen, sie umgehen, kleinreden, zivilisieren oder gar füttern, wenn sie fast überall, wo man hinkommt, schon da ist? Hier wie in vielem: Im Wörtchen „fast“ liegt Rettung. Heureka!

Fast will man verachten, wenn man Eltern sieht, die gutes Funktionieren der Brut mit Verantwortung und Elternrolle gleichsetzen. Fast will man bitter werden, wenn man als Kinderarzt sieht, daß allenthalben Impfzwänge gefordert und gesetzlich verankert werden und die wichtigste Impfung – jene für Freiheit – nicht verabreicht wird. Wenn „den Kindern dienen“ bloß ein Bedienen und ansonsten reibungsloses Organisieren ist. Fast will man rufen: Es ist doch im Prinzip ganz einfach! Es kann heiter und schmerzlos über die Bühne gehen. Hört auf, in jeder Lebenslage auf ein Helmchen zurückzugreifen. Es ist lächerlich und würdelos, ständig die Verantwortung nicht nur für sein Tun und – schlimmer noch – für die Seinen von Anfang an wegzudelegieren. Das hat noch nie funktioniert und stets im Elend geendet.

Zum Glück bleibt es ein „Fast“. Textfragmente wie dieses hier könnten Tritte sein. Tritte ins Schienbein. Man sagt, sie seien besonders schmerzhaft. Vielleicht sind viele Tritte erfolgreich, um etwas zu Fall zu

bringen, was manche als „das System“, andere als „Wohlstands- Verwahrlosung“, „Versklavung“ oder andere als „kriminelle Machenschaften“ zwar hart, aber recht undeutlich anprangern. Es wabert ein giftiger Nebel durch das Land, durch alle Schichten und Häuser. Er hat noch keinen richtigen Namen, hat aber für viele schon fatal geendet.

Ich kann nicht leugnen, daß ich Freude daran habe, zu sehen, wie der staatlich organisierte und namenlose Moloch schwerfällig, laut ächzend und dennoch jämmerlich zu Boden geht. Tritte. Es braucht sie. Von vielen in großer Zahl. Was wäre möglich, wenn in vielen Köpfen wieder nachgedacht würde? „Das Mögliche ist ungeheuer.“ Jeder muß selber entscheiden, ober er treten will. Wann und wie oft. Tritte sind etwas, das nicht andere für uns erledigen können.

Ansonsten bleibt nur das Verharren in der Helmchenmentalität. Ein Halbleben in der Gewißheit, daß die eigene Selbstzufriedenheit nicht im Geringsten davon tangiert wird, welche Partei eine Wahl gewinnt und wer über uns herrscht, sondern ausschließlich davon, ob man für die folgenden Jahre wieder einen Grund hat, sich in den Leitplanken sogenannter Sicherheit wie immer zu verhalten. Weiter gehorchen, arbeiten und konsumieren. Das Spiel staatsfürsorglicher Rundum-Service- Zufriedenheit gegen sinnlose Gesinnungsdiktatur und Selbstaufgabe geht in die Verlängerung. Der Preis die Freiheit. Abschalten. Weggehen. Fast verachtet man. Aber nur fast. Die Liebe zum Land, das man das seine nennt, ist größer. Es bleibt Trauer.

Aber wie gesagt: Ich lache und lebe für mein Leben gern. Und als ein leidenschaftlicher und ungehörter Verfechter des Freiheitsgedankens kann ich von Herzen bekennen, daß es jedem Deutschen selbstverständlich zusteht, einen Hundehaufen anzubeten. Genauso, wie es mir zusteht, besagten Haufen vor der eigenen Tür still und leise zu beseitigen und mich ansonsten darum zu kümmern, selber sauber zu bleiben. Und mich ab und zu der einen oder anderen Albernheit wie beispielsweise der untenstehenden Werbebotschaft für noch Migrations-Scheue und Fast- Reisewillige zu widmen:

Kommt nach Deutschland. Deutschland ist ein schönes Land. Das schönste Land der Welt. Man kann gefahrlos über Straßen gehen, natürlich unter Beachtung der Regeln des Straßenverkehrs. Man kann Wunderwerke der Technik jetzt auf allen Feldern sehen. Windräder. Schön, wie sie so langsam vor sich hindrehen. Und wie sauber ihr Strom. Deutschland ist kinderfreundlich. Überall ist’s bunt. Kinder mögen Farben. Das Angebot in Deutschlands Supermärkten ist gigantisch. Die Medienlandschaft in Deutschland ist vielfältig. Über fast alles wird knallig berichtet. Besonders leserfreundlich läßt man Nachrichten, die schockierend wirken könnten, verantwortungsvoll weg. Die Volksgesundheit erreicht ungeahnte Ausmaße. Das Durchschnittsalter beträgt bald fast zweihundert Jahre. Die Medizin kommt kaum nach. Pflegeheime schießen wie Pilze aus dem Boden und machen den Alten das Leben schöner und den Arbeitsmarkt attraktiv. Die deutschen Politiker sind die besten der Welt. Treu, warmherzig und bodenständig. Die Grünen werden geliebt ob ihrer weisen Voraussicht, daß es sich mit Vorschriften und Helmchen gar ganz vorzüglich lebt. Die sozialen Medien sind besonders in Deutschland beliebt. Man kann sich so oft streicheln, wie man möchte. Es ist herrlich. Deutschland ist eines der offensten Länder der Welt. Offen für den Islam, offene Grenzen, offen für Dosenpfand und die Ehe für alle. Offen für euch. Man denkt an das Schlaraffenland. Politisch korrekt natürlich. Deutschland steht jetzt stramm in Tradition mit der DDR. Rechtes Gedankengut wird zu recht verfolgt. Das beste von damals und heute hat sich zum Vorteil aller vereint. Deutschland ist in der Welt so beachtet und geachtet. Von diesem Boden wird nie wieder etwas ausgehen. Kartoffeln und Gerste vielleicht. Das stimmt uns alle so friedlich. Hier leben wir gerne, gehen unserer täglichen geliebten Beschäftigung nach und rufen damit allen begeistert zu: Kommt nach Deutschland. Hier läßt es sich gut leben.

© Hendrik Gottschalk 2018



Weil das Ganze doch ein bissel an ein witziges Sterbetagebuch erinnern soll, heute ungefragt ein paar Tips zum richtigen Umgang mit Internet-Zensur. 

Das Einfachste und doch Komplizierteste, in ein Land zu übersiedeln, in dem die deutschen Zensurgesetze nicht gelten, lassen wir mal weg. Zu dem Freizeitverhalten will ich mich auch gar nicht erst wieder äußern. Es spottet jeder Beschreibung, wie abgefahren das heute noch immer ist. Wenn man schon nicht hören möchte, daß man ein Schlafschaf sei, dann verhallen auch alle Warnungen davor, was in islamischen Kulturkreisen mit Schafen und auch Eseln alles angestellt wird. Lassen wir das.

Google kann man jetzt Goolag nennen. Kommt von Gulag, der in kommunistisch-faschistischen Diktaturen gerne benutzt wird. Diese Firma beginnt entgegen ihrer "Rolle als Marktteilnehmer"  systemkonform, zu löschen, was ihr und den Zensoren nicht paßt. Andere Suchmaschinen wären vorerst noch DuckDuckGo oder MetaGer, mit denen ich gute Erfahrungen gemacht habe, aber wann beginnen auch diese, sich zu fügen? 

Eine Alternative zu YouTube könnte Dailymotion werden. Viel weiß ich darüber nicht, jedenfalls muß man nicht goolagen, wenn man etwas sucht.

Die Browser sind allesamt verdächtig. Außer Thor, wenngleich.... Nichts genaues weiß man nicht. 

Im Prinzip kann man sich das Internet auch schenken und stattdessen ein privates Netzwerk aufbauen. Wenn ich zum Beispiel etwas über Gulags wissen möchte, muß ich nur meinen Vater anrufen. Jeder hat wohl in seinem Umfeld ein paar klügere Menschen. 

Daß man sich ein wenig mit Datensicherheit beschäftigen sollte, sowohl am Telefon als auch am Rechner, hatte ich schon irgendwann einmal erwähnt.

Heute haben mich zwei Dinge sehr beschäftigt. Einmal meine paar Bücher, die ich hierher gerettet habe. Es sind einige Kinderbücher darunter, an denen ich sehr hänge und die ich nach privatem Verlust erneut angeschafft hatte. Von Friedrich Wolf "Bummi", Tiergeschichten für große und kleine Kinder, ein Büchlein, daß ich mit acht Jahren, als ich Scharlach hatte und zwei Wochen das Bett hüten mußte, so einfach mir nichts dir nichts an einem Tag durchgelesen habe, obwohl ich damals erst mit dem Lesen so richtig anfing. Mich interessieren auch heute nur bedingt und am Rande die ideologischen Verklemmtheiten des Verfassers, denn diese Kinderbücher sind für mich eine sehr gute und friedvolle Erinnerung an ihn. Bummi ist ein kleiner Hund mit Charakter, aber es gibt noch andere Geschichten in diesem Buch, die mich als Achtjährigen schon so angenehm und intensiv berührten wie sie mich heute fesseln.

Zum anderen habe ich daran gedacht, wie schwierig es doch ist, verhältnismäßig einfache Sachverhalte an den Mann zu bringen. Ich bin im Prinzip ein höflicher Mensch, und es tut mir auch immer wieder leid, wenn ich mich nicht beherrschen kann, wenn andere nicht verstehen können oder wollen, was ich sagen möchte. Denn dann verfalle ich schnell in meine Abstraktionen und Blickdiagnosen, die ich dann auch ungefragt mitteile. 

Noch eine witzige Kleinigkeit. Ich war in der Werkstatt wegen was weiß ich. Es war recht billig und die freundliche Dame am Empfang sagte mir, daß ich gut Französisch spräche. Selbst wenn sie mich auf den Arm genommen haben sollte, habe ich wieder so etwas wie Sympathie empfunden. Das ist auch gut gegen Emphyseme.

© Hendrik Gottschalk 2018



Als ich schrieb, was nicht zur Grundausstattung meiner Landsleute gehört, habe ich vergessen, zu erwähnen, was zur Grundausstattung dieser Typen gehört. Zu der Helmchenmentalität gehört die Gewißheit, daß die Selbstzufriedenheit überhaupt nicht davon tangiert wird, welche Partei eine Wahl gewinnt, sondern davon, daß man für die folgenden Jahre wieder einen Grund hat, sich wie immer zu verhalten. Das ist so simpel und dürfte als Erklärung genügen, daß ich nun auch eindeutig dafür plädiere: Weiter gehorchen, arbeiten und konsumieren. Das Spiel alberne Rundum-Service-Zufriedenheit gegen sinnlose Gesinnungsdiktatur geht in die Verlängerung. Abschalten. Weggehen. 



Man sagt, daß Tritte gegen das Schienbein besonders schmerzhaft seien. Vielleicht sind viele Tritte erfolgreich, um etwas zu Fall zu bringen, was manche als „das System“ und andere als „kriminelle Machenschaften“ zwar hart, aber recht undeutlich anprangern. Es wabert ein giftiger Nebel durch das Land, der noch keinen richtigen Namen hat, aber für immer mehr schon tödlich war. Ich kann nicht leugnen, daß ich Freude daran habe, zu sehen, wie dieser Moloch schwerfällig, laut ächzend und dennoch jämmerlich zu Boden geht. Tritte. Wir alle haben nicht nur zwei Beine. Vielleicht macht es anderen auch Spaß und nicht nur Verdruß, gemeinsam gegen Goliaths Schienbeine zu treten?

Das sind bis jetzt lediglich Bilder in einem Kopf. Was passiert, wenn in vielen Köpfen einmal tatsächlich nachgedacht wird? 

Es hat mit Verantwortung und Elternrolle nichts zu tun, wenn die Kinder nur dazu angehalten werden, gut zu funktionieren. Den meisten Eltern ist das klar, aber trotzdem bringen sie es nicht fertig, ihren Kindern die Impfung für Freiheit zu verpassen, obwohl es im Prinzip ganz einfach, schmerzlos und heiter über die Bühne gehen könnte. 

Mein Gott, ist es denn nicht peinlich, in jeder Lebenslage auf ein Helmchen zurückzugreifen? Ist es nicht lächerlich, ständig die Verantwortung für sein Tun und Lassen schon im Vorfeld wegzudelegieren? Das hat doch noch nie richtig geklappt und bis jetzt immer im Elend geendet. 

Was die Tritte angeht, man kann nicht nur hoffen, daß das immer andere für einen erledigen. 



Verachtung ist ein ziemlich großes Wort. Jesus wird es nicht verwendet haben. Wie läßt sich so ein Gefühl also beschreiben? Gehen wir es langsam an. Und konziliant natürlich. Mit einem Lächeln auf den Lippen geht alles leichter, viel flüssiger, viel dünnflüssiger. 

Ich lache für mein Leben gern. Ich lebe für mein Leben gern. Die Verachtung, die ich für inzwischen schon ganz schön viel Truc empfinde, steht meinem Vergnügen am Lachen und am Leben ein wenig, aber deutlich im Wege. Was soll ich damit machen? Beim Skat kann man zwei Karten drücken. Wie funktioniert das denn im Leben? 

Ich habe schon viel versucht, um dieser allgegenwärtigen Verachtung auszuweichen, sie zu umgehen, sie klein zu reden, sie zu zivilisieren. Sie wird nicht kleiner mit einem Wein oder mit zweien. Ihr ist egal, ob die Sonne lacht oder ob es regnet. Sie ist in jede Ritze meines Lebens, meiner Empfindungen, meiner Gefühle gedrungen. Sie vermiest inzwischen fast alles. Im Wörtchen fast liegt wahrscheinlich die Rettung. Heureka!



Der Charme, der in alltäglichen Kleinigkeiten zum Vorschein käme, wenn man ihn zuließe, ist in der heutigen Zeit verpönt. Allenthalben Anzüglichkeiten, Sittenverfall. Man kann als Mann fast keiner Frau freundlich in die Augen schauen, ohne verdächtigt zu werden, diese mißbrauchen zu wollen. Das Bedürfnis, sich an der Nähe eines Menschen zu erfreuen, scheint zu verkümmern. Vielleicht ist das ein Plan. Ein Plan von alten, häßlichen freudlosen Säcken ausgedacht. Ein Plan, der jedenfalls aus meiner Sicht schon lange aufgeht und die Liebe, die Familie, das Miteinander zerstört. 



Wohl wissend, daß der gesunde Menschenverstand und Ironieverständnis nicht zur Grundausstattung meiner Landsleute gehören, sage ich: Na klar sind wir frei. Wir waren es immer. Wenn ich auch in der DDR geboren bin, kann ich ein Lied von der Freiheit und auf die Freiheit singen. Nein, ich muß es trällern. Vroni Fischer, mit Hansi Biebl erst an der Gitarre, dann an der Grenze nach West-Berlin, geflüchtet vor der Freiheit in die neue Heimat. Wir waren damals so frei, daß man uns nur zu schubsen brauchte, und schon verrieten manche alles. 
Man kann auf engstem Raume leben, aber man braucht Luft. Diese Luft strömte dann neunundachtzig wahrscheinlich so gewaltig auf uns ein, daß viele von uns wahnsinnig wurden. Man muß sich nur umgucken. Überall diese Leichen. 
Ich erinnere mich jedenfalls gerne an "Hostess", an den Film, in dem Vroni Fischer dieses kleine Lied über Freiheit singt, auch wenn das niemand hören will. Der Film beschreibt konstruierte Probleme bei der Emanzipation sowohl der Frau als auch des Mannes in der DDR damals 1975. Insofern, aber vielleicht wirklich nur im Detail, war früher nicht alles schlecht, aber besser als heute allemal. Es bewegte sich im Gegensatz zu heute etwas. 



Heute sagen viele lapidar zu einem Sonderangebot, "das sei im Angebot", also günstiger. Viele halten ihre Kinder auch noch für durchaus fähig, wenn diese bei jeder sich bietenden Gelegenheit Pokomons fangen oder vor Langeweile von einem x-beliebigen Sitzmöbel fallen oder beim Anlehnen an eine Wand einfach umkippen. Über ein Festhalten am SZ wird gelächelt, aber sonst wird neben jeder sogenannten "Rechtschreibreform" fast durchweg jeder Blödsinn mitgemacht, der gerade in Mode ist. Gender zum Beispiel. Im Sitzen pinkeln. Frauenrechte vertreten, als wären es die eigenen. Und so fort. Gerade über das äffische Vernarrtsein am eigenen Kinde, auch wenn es durch Werbung, Umwelt und falsche Freunde schon fast völlig irre ist, offenbart sich der gewünschte Defekt geradezu als Blickdiagnose, wenn man sich diese Eltern anschaut. Keine Leistung der Kinder ist dumm genug, um nicht doch unangemessen als Erfolg angesehen zu werden. Ich würde nie applaudieren, wenn meine Tochter sechsjährig auf dem Klavier einen Tango wie einen Walzer gespielt hätte. Manche Eltern predigen dabei sogar noch Bibeltexte. 


Man hat herausgefunden, daß es den Fröschen in der Nähe von Klärwerken gar nicht gut geht. Sie wären durch Hormone aus den "Verhütungsmitteln" verweiblicht. Tja. Auch Soja soll ja das Brustwachstum enorm fördern. Wie es wohl kommt, daß trotzdem alles den Berg hinab geht? Unterhaltungstechisch erklärt das Pirinçci sehr gut. Ansonsten steht alles in der Offenbarung des Johannes.


Hier am Meer sieht es in der Saison so aus, als bekämen viele den Urlaub auf Krankenschein. Beeinträchtigte Menschen, schön tätowiert oder gepierct, mit lauten zahlreichen Gören an der Hand, das schöne Land zumindest passager belästigend. Frustrierte junge und uncharmante Französinnen an den Kassen. Irre, so eine Veränderung in wenigen Jahren. Magie oder Hexerei? Geschmacksache kann das nicht sein, wenn man sich erinnert, wie es früher war, wie es hätte besser sein sollen und wie man es gewünscht hat, so für sich und seine Frau, für seine Kinder, für die Alten, für alle.


Zum Beispiel wissen wir auch, daß es einen großen Bedarf an unseren persönlichen Daten gibt. Die Werbung war doch schon vor ein paar Jahrzehnten sehr neugierig. Heute gibt man über die simplen Einstellungen an seinem Smartphone diese Daten und noch ganz viel mehr preis. Man sagt, man habe nichts zu verbergen, aber das ist doch schnurz, denn die Daten dienen gar nicht primär dem Zweck, den Naiven hinter Gitter zu bringen. Man braucht ihn lebend, konsumierend und zahlend. Ich kann auch schreiben, man braucht ihn dumm und insuffizient. Um auf sicher zu gehen, kommen jetzt die mit dem noch niedrigeren IQ ins Land. Wie peinlich ist Werbung im französischen Fernsehen! Es braucht Zeit, aber es wird sich durchsetzen, wenn kein Wunder geschieht. 


Ich finde, der Worte in dieser Frage sind genug gewechselt. Zumindest schemenhaft wird deutlich, wo der Hase im Pfeffer liegt. Die Aufrufe zu christlichem Leben verhallen, und auch ich wende mich zunehmend resignierend von einer nicht existenten Gemeinschaft ab.  Zudem werde ich seit vielen Jahren mit Schmutz bedeckt, dem ich immer ungenügender ausweichen kann, ich werde alt und bin krank. Meine Liebe zu meinen Kindern, meine Heimatliebe,  sie sind  schon längst zur Lanze vielleicht nicht von offenen Feinden, aber von nicht minder unwohlmeinenden Zeitgenossen geworden. Seigneur, bewahre das saubere Meer vor unreinen Strömen. 



Es wird für mich eine Überlebensfrage sein, ohne Dramatik wird es immerhin noch eine sehr entscheidende Frage sein, ob es mir möglich sein wird, mich irgendwie heiteren Themen zuzuwenden, die mich nicht so oft an Fäulnis, Verwesung und Tod erinnern. 

Ich bemerke, daß mein Freund Jesus großen Gefallen daran hätte, würde mir dies gelingen. Nun denn, für ein größeres Projekt fehlen mir die Begabung, die Zeit und die Mittel. Wenn mir die Berufserfahrung etwas geschenkt hat, dann eine gewisse witzige Fähigkeit für Blickdiagnosen. Diese sind rasch erstellt, treffend, richtig und deutlich. Ich werde mir eine Zielgruppe suchen, die dämlich genug, nein, die klug genug ist, mir dafür ein Honorar zu zahlen. :-) 



Als das Fernsehen den Zuschauern in den 70er Jahren die Serie Klimbim vor die Nase setzte, hat man bestimmt nicht daran gedacht, den Unsinn aus dem Unterbewußtsein zu entfernen. Im Gegenteil, dieser Nonsens wurde zu einem festen Bestandteil des Deutschen. 

Mir fielen damals, zwanzigjährig, die ersten Männer mit Pferdeschwanz und kleinem Ohrring auf, der Ring meist am linken Ohr. Mir als Mann kam es nicht in den Sinn, über dieses kleine Abweichung  groß nachzudenken, denn der Mann galt als der Starke, der Macher, eben als der Mann im Hause, nicht als der Bessere. Was als Werteverfall gedeutet werden konnte, das gab sich den Anschein eines Protestes. Es gab durchaus einige Gründe für berechtigte Proteste, aber die Fadenscheinigkeit dieser Typen konnte man schon deutlich riechen. 

Ich will einmal kurz beschreiben, was ich in dieser Zeit alles wahrnahm und was nicht. Mir war es gelungen, die Hochschulreife auf der Volkshochschule zu erlangen, und ich hatte nur einen Wunsch, nämlich Medizin zu studieren. Das machte ich mit großem Eifer, stellte fest, ähnlich begeisterte Kommilitonen zu haben und hatte große Freude am intensiven Lernen bis in die Nacht hinein. Der Medizinstudent ist vielleicht nun nicht der typische Student, aber wir konnten unser Leben durchaus heiter und mitunter feiernd genießen. Man gab uns schon zeitig den Titel cand. med. und wir stiegen über Praktika in die Arbeit als Arzt ein. Einige stellten nüchtern fest, daß ihnen ein Parteibuch der SED die Anstrengung erleichtert, eine gute Stelle zu finden. Die meisten von uns kümmerte das nicht. Ich legte mir Scheuklappen an die Augen, machte einen auf zerstreut und hatte nie Probleme, der Stasi aus dem Weg zu gehen. Mit anderen Worten, es war möglich, relativ sauber zu bleiben, von einer generellen Mitschuld durch Schweigen und Eigeninteresse abgesehen, wie das in Diktaturen üblich ist. Mir war entgangen, daß ein Volk aus mehr besteht. Aus Arbeitern, Beamten, Sachbearbeiterinnen, Künstlern, Lehrern und Kindern, die indoktriniert wurden, wenn sie keinen eigenen Fahrplan hatten. 

Man kennt es heute, auch in der DDR war man erledigt, wenn man sich gegen das System richtete. Es müssen Millionen gewesen sein, die desillusioniert einen Ausreiseantrag stellten. Ich wollte damals nach Kanada. Die "Wende" kam dazwischen. Es gibt halt Zeiten, in denen lebt der Mensch für die Katz. 



Xi Jinping, Kim Jong-un, Donald Trump und Wladimir Putin werden sich am Wochenende in einer kleinen unbeheizten Turnhalle irgendwo im asiatischen Raum zu einem fairen Kräftemessen treffen. Man zieht es vor, nichts darüber zu berichten, denn in der nächsten Woche müssen alle vier wieder ihren Ehefrauen zur Hand gehen, das Abendessen vorbereiten und den Hund ausführen.



Il y a beaucoup de supermarchés en France mais aussi beaucoup de petits commerçants. Quand vous voulez du pain, vous allez chez le boulanger. Là, vous trouvez non seulement des baguettes mais aussi des croissants, des tartes et des gâteaux. Si vous avez besoin de viande, vous allez chez le boucher. Vous pouvez y acheter toutes sortes de viandes et de volailles. Et si vous avez envie de bon jambon, de pâté ou de saucisson, vous allez chez le charcutier. Le lait, le beurre, la créme et les oeuf, on les trouve à la crémerie. Chez l’épicier, il y a des fruits et légumes et beaucoup d’autres choses. 

Et quand vous avez mangé tout ce que vous avez acheté, vous allez à la pharmacie pour acheter de l’Alka-Seltzer.



Als  ein inzwischen ungehörter Verfechter des Freiheitsgedankens kann ich sagen, daß es dem Deutschen selbstverständlich zusteht, einen Hundehaufen anzubeten. Mir steht dann auch zu, dieses dumme Verhalten zu kritisieren. Man beseitigt Hundehaufen still und sorgt dafür, daß man sauber bleibt. Was versteht man daran nicht? 

"„If you want a picture of the future, imagine a boot stamping on a human face — for ever.“  – 1984 – Nineteen Eighty-Four. Die Journaille würde behaupten: "Doch nur denen, die den falschen Chip haben."  Das würde den Konformisten also auch nicht den Spaß verderben. Ich werde noch biestig.

Ja, was würde Susanne Kablitz dazu sagen? 

"Dieses Land ist unrettbar verloren."



Müßte sich nicht jetzt gerade der Deutsche stolz erheben? Gerade der Deutsche. Der ständig Gedemütigte. Der ständige Verlierer. 

Natürlich nicht. Was ist schon Versaille, was Maastricht? Was ist der Kaiser, was ist der schwule Partner? Was sind Anstand, Loyalität und Freiheit geworden? Sie sind zu tätowierten und gepiercten Lumpenhunden geworden, die zudem noch Angst vor jeder kleinen weißen Maus haben. Ein lächerliches Völkchen mit einer enormen Schaffenskraft für seine Peiniger. Jeder Pfennig zählt, auch wenn man ihn nicht mehr selbst umdrehen darf. Ein verlorenes Volk, ein Niemand. Nur peinlich, wenn man an früher denkt. Man denkt aber nicht mehr an früher. Man denkt an den nächsten Einkauf bei REWE. An das feste Gehalt, an den Feierabend, an den Fernseher und an die Chips, die man besorgen muß, um restlos ein zufriedener Mensch zu sein. Und ja, so haben sie zugelassen, daß man ihre Sprache verhunzt, ihre Werte auf Konsum und Sex reduziert und ihren Freiheitswillen darauf beschnitten hat, wie der kommende Chip möglichst hautfreundlich und schmerzarm implantiert wird. Tja, so kann es gehen, wenn man zu lange auf eine rote Ampel starrt und mitten in der menschenleeren Nacht auf Grün wartet. 

Beten wir gemeinsam für dieses geistig verarmte Volk. 



Auf diesem Blog wird es keine Rubrik „Plemplem“ geben. Vielleicht einmal ein Bier. Ich stelle aber fest, daß sich bei mir nach langen Zeiten der Traurigkeit zwangsläufig kurze Zeiten einer gewissen Albernheit einstellen, für die ich sehr dankbar bin. 

Deutschland ist ein schönes Land. Das schönste Land der Welt wahrscheinlich. Man kann gefahrlos von einer Straßenseite auf die andere wechseln, natürlich unter Beachtung der Regeln des Straßenverkehrs. Man kann Wunderwerke der Technik jetzt auch auf allen Feldern sehen. Windräder. Schön anzuschauen, wie sie so langsam vor sich hindrehen. Deutschland ist kinderfreundlich, denn es ist überall bunt. Kinder mögen Farben. Das Angebot in Deutschlands Supermärkten ist gigantisch. Dagegen sehen hier die Regale leer und eintönig aus. Die Medienlandschaft in Deutschland ist sehr vielfältig. Es wird über fast alles knallig berichtet. Besonders leserfreundlich läßt man Nachrichten, die schockierend wirken könnten, verantwortungsvoll weg. Die Volksgesundheit erreicht ungeahnte Ausmaße. Das Durchschnittsalter beträgt bald fast zweihundert Jahre. Die Medizin kommt kaum nach. Pflegeheime schießen wie Pilze aus dem Boden und machen den Alten das Leben schöner und den Arbeitsmarkt attraktiv. Die deutschen Politiker sind die besten der Welt. Treu, warmherzig und bodenständig. Die Grünen werden geliebt ob ihrer weisen Voraussicht, daß es sich mit Vorschriften und Helmchen gar ganz vorzüglich lebt. Ich könnte stundenlang so schwärmend für Deutschland schreiben. Die sozialen Medien sind besonders in Deutschland beliebt. Man kann sich so oft streicheln, wie man möchte. Es ist herrlich. Deutschland ist eines der offensten Länder der Welt, die ich kenne. Offen für den Islam, offene Grenzen, offen für Dosenpfand und die Ehe für alle. Eine Errungenschaft nach der anderen. Man denkt an das Schlaraffenland, nur politisch korrekt natürlich. Deutschland steht jetzt stramm in Tradition mit der DDR und verfolgt rechtes Gedankengut zu recht. Eine wirklich wunderbare Symbiose zu jedermanns Vorteil wurde geschaffen. Man ahnt, warum Deutschland in der Welt so beachtet und geachtet wird. Von diesem Boden wird nie wieder etwas ausgehen. Kartoffeln und Gerste vielleicht. Das stimmt uns alle so friedlich. Hier leben wir gerne, gehen unserer täglichen geliebten Beschäftigung nach und rufen damit allen begeistert zu: Kommt nach Deutschland. Hier läßt es sich gut leben.



Das Loslassen halte ich für eine besondere Fähigkeit, die ich noch nicht beherrsche. Mich macht es oft sprachlos, wie wenig man über Details weiß, die doch das eigene Leben so beeinflussen können. Und wie wenig man sich dafür interessiert. Zum Beispiel fehlt es an einfachsten Kenntnissen darüber, wie das „Gesundheitswesen“ funktioniert.

Man muß es gar nicht als Unwesen brandmarken, um vielleicht Aufmerksamkeit zu erregen, doch ein wenig Interesse an Alltagsfragen sollte man doch voraussetzen können. Ich möchte kein generelles Desinteresse, keine grenzenlose Apathie und keine absolute Hörigkeit unterstellen, aber es sieht so aus, als wenn Wahrnehmung, kritischer Geist und Reflexion auf sehr niedrigem Niveau angelangt sind. 

Das Buch von Gunter Frank „Schlechte Medizin“ und die Rezensionen der Mietmäuler sprechen eine deutliche Sprache. Der Autor benennt fast alle Kleinigkeiten, die aus einem hochgebildeten Arzt einen Wirbellosen machen wollen, doch dies kommt als Botschaft überhaupt nicht an. Hätte ein Bilderbuch mehr zur Aufklärung beigetragen? 

Ich weiß es nicht, aber ich beginne, zu verstehen, warum Tucholsky im Exil verstummte. 



Ich nehme an, der Text gehört mir. Frank Jordan hat ihn als Collage auf seinem Blog und bei FB gepostet und mich damit zum Autor geadelt. Danke, Frank Jordan.

Sterbenden Auges sieht man besser. Vielleicht.

8. August 2017 / frankjordanblog

Fragment von Roi Henry

Mich nennen einige Aussteiger, obwohl ich mich als Einsteiger sehe. Das ist der ganze einfache und dämliche Witz.

Ich bin eingestiegen in den Glauben, in die Fremde und die Ferne, die mehr Nähe ist. Und jetzt auch ins Sterben. Letzteres hat mit einem anhaltenden schmerzhaften Hustenanfall begonnen. Quasi über Nacht. Das Schlimmste befürchtend bin ich zum Toubib gegangen – das heißt hier etwa soviel wie Onkel Doktor. Der schickte mich zum Röntgen. Jetzt ist es sogar das Allerschlimmste, ein Lungenemphysem, was irgendwann in Ersticken endet. Irgendwann ist in diesem Falle eines der dümmsten Füllwörter überhaupt, aber so kenne ich mich. Sei’s drum. Nun reiht man sich also ein. Man hätte es früher wissen können. Alles. Zurück auf Anfang. Vielleicht wird das hier eine Art fröhliches Sterbetagebuch. Fröhlich aus Dankbarkeit. Noch nie war der Blick zurück so deutlich in die Zukunft gerichtet. Ich kann gar nicht anders. Ich bin dankbar für den Weg bis hierhin, denn von hier aus geht es weiter.

Aber dazu wollte ich eigentlich gar nichts notieren, sondern hierzu: Frankreich liegt mir nicht so nahe, wie mancher glauben möchte, weil ich an der französischen Atlantikküste lebe. Mir liegt Deutschland nahe, obwohl ich es seinerzeit nicht mehr ertragen konnte. Ich kann es hier im Exil aber fast noch weniger ertragen. Ich mag nicht zusehen, wie das Land siecht und vor die Hunde geht. Siechen ist ein fürchterliches Wort. Aber es passiert. Und man kommt nicht daran vorbei, sich mit denen zu beschäftigen, die dafür verantwortlich sind. Natürlich ärgert sich der Deutsche auch über sich selbst, aber daß er nicht einmal mehr Reste oder einen Funken Ehrgefühl in punkto Freiheit, Selbstbestimmung, Nationalstolz und Integrität besitzt, kann ich nicht verstehen. Verdauen schon gar nicht.

Deshalb würde ich es wieder machen. Weggehen. Auch wenn es schwerfällt, sein geliebtes Land, die Heimat zu verlassen. Aber zurück ins Reich? Das sei fern! Ich schlafe lieber arm und ehrlich an einem warmen Strand, als mich gemein zu machen mit dem, was ich verachte. Ich würde es immer wieder tun, auch weil ich nicht weiß, wie man allein gegen einen Moloch gewinnen kann. Ich habe viel versucht. Gespräche frontal, meine Stellung ausgenutzt. Man sieht weg. Und dem System ist es egal, wie es uns geht. Es lacht hämisch über alle, die was anderes glauben. Mir wird es nie egal sein, und ich werde da sein, wenn es darum geht, dem zunehmend zahnlosen, aber brutalen Goliath in den Arsch zu treten. Aber bis dahin wird wahrscheinlich soviel Zeit vergehen, in der ich auch getrost sterben kann.

Was ich eigentlich sagen wollte. Die Freiheit, das zu tun, was man will, was man kann, die Freiheit, auch einmal sagen zu können: „Ich weiß nicht“, und die Freiheit, sich so zu fühlen, wie man es mag, und trotzdem das in den eigenen Augen Richtige zu tun an einem Ort, den man liebt, zu einer Zeit, die man schätzt, egal, der Wunsch, frei zu sein, zu werden, zu bleiben, ist Menschenrecht, einziges Menschenrecht und dafür würde ich sterben. Aber selbst mit dem Sterben möchte ich niemandem schaden. Kann ja sein, daß er es bedauert, mich an die Freiheit verloren zu haben. So einen Konflikt würde ich dann gerne wieder zu lösen versuchen. Weitermachen. Es bleibt wunderbar spannend.



Afrika ist ein fruchtbarer Kontinent. Weil das die Afrikaner nur in Hinblick auf ihre eigene Fruchtbarkeit verstanden, sind Europäer gekommen und haben gezeigt, wie es geht. Man betrachtete es seinerzeit unter praktischen oder fragwürdigen Gesichtspunkten. Heute betrachtet man das durch Rosa-Brillen. Das ist zweifellos ein Fehler, aber dieser Fehler geht in der Vielzahl von Verwerfungen einfach unter. Daher empfehlen wir mit unserem Brillen-Fachgeschäft entweder dicke Hornbrillen oder richtig fettschwarze Sonnenbrillen. Damit sieht man noch viel besser weniger oder gar nichts mehr. 



Man jammert so viel. Man beklagt so unendlich viel. Meist einen Verlust, einen Verfall, eine fatale Entwicklung, die Entfremdung oder die tägliche Mühsal. 

Heute möchte ich die freche Frage, was stimmt mit Euch nicht, nicht stellen. 

Ich abstrahiere gerne, das Talent dazu wurde mir wohl in die Wiege gelegt. Ich beobachte eine gewisse Zeit und komme dann zum Schluß, zur Conclusio. Und ich nehme es übel, daß mir meine Berufung so unendlich verübelt wurde, aber selbst dieser große Ärger muß sich selbstverständlich irgendwann auflösen. Und hier liegt der Hase im Pfeffer, hier findet sich die Weisheit. Direkt vor jeder Nase. 

Der Sündenfall. Anfang vom Ende und immer wieder Anfang, Vergebung und Verzeihen. Wer kann das denn auf dieser Welt außer Gott?

Glaubt man tatsächlich, man könne sein ganzes Leben das Geld, die Karriere und den Erfolg anbeten, ohne daß man Konsequenzen zu ziehen hat? Denkt man, daß seine Prioritäten ungesehen und ohne Folgen bleiben? Wie ist es denn im Kleinen?

Fangen wir bei der Achtung an. Achtung vor der Natur und dem Leben, was wir Schöpfung nennen, ist doch vielen fremd geworden. Kein Gedanke an den Nächsten, der sich für uns aufopfert, kein Gedanke für den schuftenden Fabrikarbeiter in Indien, kein Gedanke an das Vieh, was für uns leidet. 

So geht das weiter. Erste Konkurrenzen im Kindergarten, in der Schule, in der Ausbildung, beim Studium. Die Ellenbogenmentalität ist gesellschaftsfähig geworden und allgemein anerkannt. Mich nennen einige Aussteiger, obwohl ich mich als Einsteiger sehe. Das ist der ganze einfache und dämliche Witz. 

Und nirgendwo auf dieser lächerlich kurzen Strecke möchte der normale Mensch Bekanntschaft mit Gott machen. Eine Bekanntschaft, die alles nur zum Guten verändern würde.

Dann ist man alt geworden, hatte vielleicht schon einen Herzinfarkt, aber kann noch die Fernbedienung drücken, mit der sich ein Spielzeug Satans, der Fernseher,  einschalten läßt. 

Und wenn das viele so gottlos halten, dann muß man sich nicht wundern, wenn alles so beklagenswert wird. Das ist dann so eine Art Quittung. Ein kleiner Text auf einem kleinen Zettel. Das ist alles. 

Abstraktion ist kein Talent, Abstraktion ist einfach. Alles ist einfach. Von Gott gegeben. Man muß es nur aufheben und sich einmal, wirklich nur einmal bücken. Nicht tagtäglich vor einem Monstrum ohne Ehre. 



Warum es Intellektuelle wie Michel Houellebecq gibt und warum es gelungen ist, die Franzosen in ein  heillos zerstrittenes Völkchen zu verwandeln, das sind zwei Fragen, die sich zusammen beantworten ließen, wenn ich das wollte. 

Nun liegt mir Frankreich nicht so nahe, wie mancher glauben möchte, weil ich an der französischen Atlantikküste lebe. Mir liegt Deutschland nahe, obwohl ich es seinerzeit nicht mehr ertragen konnte. Ich kann es hier im Exil aber fast noch weniger ertragen. Ich mag nicht zusehen, wie das Land siecht und vor die Hunde geht. Man kommt nicht daran vorbei, sich mit denen zu beschäftigen, die dafür verantwortlich sind. Natürlich ärgert sich der Michel auch über sich selbst, aber daß er nicht einmal mehr Reste oder einen Funken Ehrgefühl in punkto Freiheit, Selbstbestimmung, Nationalstolz und Integrität besitzt, kann ich nicht verstehen.

Ich muß wohl etwas weiter ausholen. Ich bin Arzt geworden, weil ich es angesichts der gesundheitlichen Probleme meiner geliebten Großmutter so beschloß. Ich hatte konkrete Vorstellungen davon, wie ich helfen wollte, schon als kleiner Junge. Als es soweit war, mußte ich erkennen, daß es vornehmlich eine beratende, eine zehrende Berufung und eine schwere Arbeit war, die ich für mich gewählt hatte. Kein Tag ohne „sinnlose“ Diskussionen über einfachste Dinge. Einige Eltern verstanden meine Abstraktionen nicht und wollten, daß ich ihnen vorrechne, Schritt für Schritt, wie ich zu meinen Ansichten, Standpunkten, Diagnosen und Therapieempfehlungen gekommen war. Das ist ermüdend, aber gehört wahrscheinlich dazu. Wenn, ja wenn. Wenn es nicht heute symptomatisch für fast alle Lebenslagen wäre und auf die meisten Gesprächspartner zuträfe, die allesamt die entscheidenden Abstraktionen nicht selbst zu Stande bringen. Ich möchte nicht behaupten, diese Leute seien alle dumm, aber irgendetwas stimmt mit ihnen ganz sicher nicht. 

Ich kann ja nur mit mir vergleichen, weil nur ich mich wirklich kenne. Ich hatte als Kind schon keinen Gefallen daran, wenn Frauen sich als Männer und Männer sich als Frauen verkleideten. Zum Fasching. Man kann sich denken, was ich vom Christopher-Street-Day halte. Die Gewalttätigkeiten, die sich 1969 an eine Feier in einer Homo-Bar in den USA anschlossen, hätte ich vorhergesagt, wenn ich damals alt genug gewesen wäre. Wenn eine Gesellschaft anfängt, kleinen oder geringen Forderungen einer Minderheit nachzugeben, die nicht vereinbar sind mit dem christlichen Wertekanon, kommt diese Gesellschaft irgendwann in Teufels Küche. Daß heute in dieser Küche Satan ein und ausgeht, kann ein Blinder sehen, jedenfalls einer, der nicht mit dem Klammersack gepudert ist. Dieses Beispiel versteht wahrscheinlich jeder. Aber was ist mit den vielen anderen Entwicklungen bis in die heutige Zeit? Die Frühsexualisierung der Kinder folgt doch der allgemeinen Sexualisierung. Cohn-Bendits Sünden werden vergessen. Der Rechtschreibreform folgt Verblödung, hätte ich bei Facebook geschrieben, hier sag ich entschuldigend ups. Wie sind jetzt unter uns. Deppen lesen gar nicht bis hierher. Sie geben meist nach drei Absätzen auf. Ich weiß leider, wovon ich rede. 

Ich kenne noch einige Typen, die genau wie ich, nicht einen Text veröffentlichen würden, wenn man sie zwänge, auf das SZ zu verzichten. Oder Typen, die alleine alt werden, weil sie es nicht schaffen, eine ständig besserwissende und zudem illoyale Xanthippe auszuhalten, nur weil diese ihnen hin und wieder Erleichterung im Lendenbereich verschafft. Und so weiter und so fort.

Wie ist es nun aber mit den alten Menschen in der Gesellschaft? Meine Eltern leben beide noch, weit über achtzigjährig. Gemeinsam, ein fester Tagesrhythmus, der ihnen Halt gibt. Oft Brüche, wie zum Beispiel Krankheiten, Streß mit dem alkoholkranken Enkel, um den sich außer ihnen keiner mehr so richtig kümmern will. Mutter guckt abends Krimis auf ZDF und löst nebenbei Kreuzworträtsel, Vater stöbert im Internet in Foren, die sich mit seiner Heimat beschäftigen. Sparsamkeit gegenüber sich selbst, nicht Geiz, sondern Großzügigkeit für ihre Kinder. Telefonate und Treffen mit meist jüngeren Freunden und Bekannten. Sie machen viel im Garten, sind mit den Fahrrädern unterwegs und abends müde zum Schlafen. Sie sorgen sich um den nun fast mittellosen Sohn in der Fremde, halten ihn für verrückt, weil er etwas aufgegeben hat, worum ihn fast alle beneideten und lassen ihn wissen, daß er immer, aber auch wirklich immer zu ihnen zurückkehren könnte, wenn er das nur wollte. Meine Eltern sind für mich das, was Beständigkeit zu sein hat. Die Goldene Hochzeit lange hinter sich, lieben sie einander herzlich, ohne Streit und laute Worte, Vater küßt Mutter sanft auf die Stirn, wenn er sie morgens weckt, Mutter verwöhnt Vater mit den besten Leckereien, die sich in Deutschland finden lassen und macht ihm die Maniküre. Ein Bild für die Götter, ich schmelze immer hinweg, wenn ich nur daran denke. 

Und ich muß jetzt hier und heute Angst um meine Eltern haben? Migrantengesindel im Einkaufszentrum? Migrantengesindel auf den Straßen? Migrantengesindel fast überall in der Stadt meiner besten Jahre? Gesindel in der Politik und in den Medien?

Houellebecq muß man gar nicht lesen. Es erspart das teuflische Vergnügen, nämlich zu sehen, daß dieser Intellektuelle mit seinen Prophezeiungen ins Schwarze getroffen hat. 



Heute schreibe ich einmal einen einfachen und normalen Text. Ohne Joint, ohne Haß, nur in Gedanken an eine schöne Zeit.

Es war im Jahr 1990. Mit harter D-Mark ausgestattet, die kommenden Übel nicht ahnend oder verdrängend, machte ich mich mit meinem himmelblauen Trabant-Kombi auf, so weit wie möglich nach Westen in die Freiheit zu fahren. Ich war stolzer Stationsarzt und hatte fast drei Wochen Urlaub. Das Fahren in dem kleinen Vehikel machte unter diesen Bedingungen ausgesprochen viel Vergnügen. Ich nahm ein paar Liter Motorenöl und zwei 20-Liter-Kanister einfachen Sprit vom Minol-Pirol mit. Außerdem haltbare Milch und reichlich ungezuckerte Wurzener Cornflakes, die ich damals als durchaus gute Nahrung ansah.

Den ersten Halt machte ich in Luxembourg, und ich war vom Flair dieser Stadt  begeistert. Ich erkundete die Altstadt, das Petruss-Tal, die Kasematten und die quicklebendige City mit ihren vielen Sprachen und bunten Straßenfesten.  Ich kaufte eine Musikkassette mit neuen Titeln von Mike Oldfield, die ich noch nicht kannte und schlief direkt neben dem Palais des Großherzogs. Über die Wachablösung lachte ich mich scheckig. So ein Gestelze. Keiner hinderte mich, zwei Stangen steuerfreie Zigaretten zu kaufen und zwei große Larousse. Mein Vater freute sich damals riesig, als ich ihm diesen Wälzer schenkte. Er mag es, in Nachschlagewerken nach kleinen Wörten wie ziemlich, gleichsam und verflixt zu gucken, nach ihrer Herkunft, ihrer Anwendung und so weiter. Ein Sprachennarr, ich liebe ihn.

Dann hinein nach Frankreich. Mit dem Trabi war es nicht ganz einfach, sich im Strom der modernen Karossen zu bewegen, aber ich war jung, hatte Vertrauen in die Zwickauer Rennpappe und kam gut durch den Zoll. Die Grenzer haben kontrolliert, aber ich wurde freundlich durchgewunken und entschied mich, die Nationalstraßen zu benutzen. Das Benzin kostete 6,78 Franc. Ich war erst recht erschrocken, erinnerte mich dann aber an den Wechselkurs und nahm es freudig hin.

Das Land erschien mir grüner, die Felder goldener, die Häuser liebevoller geputzt, die Bewohner heiterer und das Essen im Landgasthof schmackhafter. Ich nahm gleich fast alle Käsestücke von der Platte und wunderte mich, daß die hübsche Kellnerin plötzlich prustend lachte. Man nimmt nämlich artig nur ein bis zwei Stückchen Käse, um das Menü zu beenden. Als Ossi in der Fremde wirkte man wohl so kurz nach der Wende ziemlich dumm, man war es ja auch.

Ich kam nach Brest und sah dann dieses große Meer, in welches ich mich unsterblich verlieben sollte. Ich stellte mir vor, daß auf der anderen Seite Amerika läge und konnte nicht umhin, Rührung und Dankbarkeit zu empfinden. 

Ich schaffte am Tag immer so ungefähr dreihundert Kilometer. Ich ließ mir Zeit, hielt an Wochenmärkten und jedem kleinen See im Wald. Badete, aß und schlief, wenn mir danach zumute war und fühlte mich frei. Glücklich. So konnte es bleiben. 

Dann nach Süden, an der bretonischen Küste entlang. In einem kleinen Geschäft, unweit des wilden Badestrandes, gab es Krostitzer Bier in Dosen.  So muß Europa sein, dachte ich, ließ das Bier stehen und entschied mich für einen trockenen hiesigen heurigen Landwein. Ich war nun zwölf Tage unterwegs und begann, die Fahrt zunehmend als anstrengend wahrzunehmen. Ich kam bis an die spanische Grenze und fuhr dann zurück. Die Palmen und die anderen unbekannten blühenden Hartlaubgewächse verzauberten mich. In der Nähe von Bordeaux, nahe der Girondemündung, fand ich einen Campingplatz. Mit bleischweren Beinen wankte ich zur Rezeption und fragte, ob ich hier duschen könne. Ich käme aus der DDR und ich wäre sehr müde. 

Kein Problem, sagte die bezaubernde Dame am Empfang zu mir. Im Nu bildete sich eine Menschentraube um das klitzekleine Auto. Man haute mir lachend auf die bereits knackig gebräunte Schulter, drückte Erstaunen und Respekt darüber aus, daß ich so weit gefahren war. Ich sollte den Motorraum öffnen. Das machte ich, und ich erklärte den Tankdeckel darinnen. Allgemeines Entsetzen, das sich aber schnell in fröhliches Lachen verwandelte, als sie sahen, wie souverän ich mit der Pappe umging. Die hübsche Frau vom Empfang sagte, ich könne ein Vier-Mann-Zelt für eine Woche bekommen. Gratis, als Geschenk. So einen wie mich hätten sie hier noch nicht gesehen. Diese Frau begegnet mir übrigens noch heute manchmal zwinkernd im Traum. Na ja, und so habe ich mich in diese Gegend verliebt. Die Pinien, die Dünen, das Meer, der wirklich azurblaue Himmel. Verliebt in das Machen, in das Verwirklichen von Träumen, verliebt in den Weg, den ich bis heute gehe. 



Warum Akif Pirinçci so beliebt ist? Weil er über abgehängte Menschen schreibt, zu denen der Leser noch ein klein wenig Abstand hat und sich gegebenfalls wie Klonovsky den Spruch erlauben kann: "Sein ist von mir wahrgenommen werden“. Unabhängig davon, daß sich Klonovsky gut dafür eignet, den Begriff Ambivalenz zu beschreiben; seine mittlerweile durchschimmernde Ehrlichkeit gefällt mir ganz gut. Ich weiß, daß Arroganz mehr ist, als von unten gesehene Dummheit. Auch von ganz oben gesehen trifft es wahrscheinlich zu. Aber dazu wollte ich gar nichts notieren, sondern etwas zum Verständnis dessen beitragen, was Pirinçci eigentlich antreibt, so zu schreiben, wie er schreibt. Akif war um Kontinuität bemüht. Das kann man leicht aus seiner Biographie herauslesen. Er ist ein guter Autor, der sich inzwischen, vielleicht manchmal mit Hilfe junger Kunststudentinnen, besser in Deutsch auskennt als die meisten FB-User und davon zu meiner Freude in hervorragender Weise auch Gebrauch macht. Daß Aufsätze von ihm wie zum Beispiel „Das Schlachten hat begonnen“ nicht zum Allgemeinwissen gehören, liegt einfach daran, daß der Deutsche Michel, so wie ich ihn kenne, inzwischen ubiquitär zum Gartenzwerg mutiert ist, der unbedingt einen eigenen Pool oder einen Kaffee-Automaten mit kleinen Kapseln besitzen will, um keine Selbstzweifel hegen zu müssen.  Akif Pirinçci nimmt zu Recht übel, daß die Zwerge seine Intention mißverstehen und nur an Kohle denken, die man mit dem Schreiben verdienen kann. Nicht verwechseln mit Augstein, bitte. Das ist im Prinzip schon alles. Es ist nicht viel. Ungefähr soviel stinkende Ballaststoffe, wie nach einem veganen Mittagessen übrigbleiben. Man sieht, alles hat seinen Sinn, alles geht seinen Gang.  Daß ich deshalb auf ein wenig Abstand achte, ist aber nicht einer empfindlichen Nase geschuldet, sondern  einer wahrscheinlich vererbten Abneigung gegenüber impotenten Gartenzwergen. Ich weiß es nicht genau.



Des mondes nous sépare. Uns trennen Welten. 

Évidemment, es ist völlig egal, warum ich nicht mehr auf FB poste. Quand même, für mich will ich es hier und heute notieren. Ich bin noch bei FB angemeldet. Wegen Scrabble, ich guck, wenn ich möchte, nur kurz, stelle den Status Quo fest und gehe wieder. Und der Vorhang schließt sich sanft hinter mir. So kann es sein, so soll es bleiben.

Mir ist nicht entgangen, daß ich zunehmend lauter, frecher und in der Wortwahl unanständiger geworden war. IRGENDWER quittierte es irgendwie, irgendwie feige, ambivalent, schwammig. 

So war es immer, so ist es immer, vielleicht wird es immer so sein. Es ist fast immer der eigene Schopf, an dem man sich aus dem Morast hievt. Wer aus Eitelkeit auf ein Selbstdarstellerportal zieht, geht dann wieder, wenn er dies erkannt hat. Wenn er klug ist und Glück hat.

Ich kann mich nicht erinnern, jemals Gefallen an der Darstellung von dummen, schlechten, gemeinen oder häßlichen Gestalten gefunden zu haben. Bei FB gilt es als schick oder opportun oder was weiß ich. Jeden Tag vorgegebene Belanglosigkeiten, jeden Tag so unendlicher Schwachsinn, zu dessen Beurteilung ich mich sogar mit Likes oder Kommentaren hinreißen ließ. Incroyable. Unglaublich. 

Das ist das eine. Das andere ist, daß sich viele FB-Freunde wahrscheinlich in ähnlichen „Gewissensnöten" befinden, aber dies hinter sogenanntem Galgenhumor verstecken, auch wenn dieser durch die unendlichen Wiederholungen eher auf Konformität hinweist, als auf einen freien Kopf, der abgeschlagen werden soll, von wem auch immer. Manche kokettieren geradezu damit, daß sie banal und angepaßt sind. Mag der eine darüber lachen, ein anderer grinsen,  mir wird schlecht, wenn ich dies bemerke. Der Anlaß zu Veränderung, und hier greif ich mir wieder an den Kopf, war ein heftiger und diesmal anhaltend schmerzhafter Husten quasi über Nacht. Das Schlimmste befürchtend, also Lungenkrebs, bin ich zum Toubib gegangen, was hier Onkel Doktor heißt, der mich zum Röntgen schickte. Jetzt ist es sogar das Allerschlimmste, ein Lungenemphysem, was irgendwann in Ersticken endet.  Irgendwann ist in diesem Falle eines der dümmsten Füllwörter überhaupt, aber so kenne ich mich, ich nenne es einfach immer wie ein Kind von der Schokoladenseite. Pouva Start 1956. Nur ganz wenige Trottel sagen mir jetzt noch, daß man im Leben für alles bezahlen müsse. 

Nun kann ich mit dem Schicksal hadern oder auch nicht, jedenfalls bekomme ich so langsam wieder den Kopf frei. Ich muß nicht mehr lesen, was mich krank macht, ich muß nicht mit ansehen, wie die „ Freunde" siechen. Ich will es jetzt nur einmal so formulieren: Ich will und werde diese menschengemachte dumme Scheiße nicht mehr hören und sehen. 

Puh. Jetzt hoffe ich, daß wirklich der Druck weg ist, und ich vielleicht ein Tagebuch beginne. Ein witziges „ Sterbetagebuch" vielleicht, so richtig schön mit banalen und alltäglichen Lustigkeiten, mit Erinnerungen an spannende und tolle Träume. Vielleicht machen das dann meine Kinder auch zu Geld wie ihre Unterhaltsansprüche, die ich lächelnd mit links beglich, weil ich es es so wollte. Ob es  ihnen zum Leben hilft? Ich weiß nicht. Eher nicht. Hier einmal eine Bitte um Gottes Segen für meine Kinder. Mögen sie Barmherzigkeit und Ehrfurcht kennenlernen. Ohne Schmerzen. 



Wann habe ich das letzte Mal ein wirklich gutes Gespräch geführt? Nicht abgeschottet, nicht in privaten Räumen, nicht beim Billardspiel mit Freunden, nicht in der eigenen Praxis mit wildfremden Patienten, auch nicht beim Grillen im Garten des Nachbarn. Keine Podiumsdiskussion. An ein Gespräch kann ich mich gut erinnern, und ich bin baff. Es war 1974 in Leipzig. Als ich siebzehn Jahre alt war. Ich war also in einem Alter, in dem ich zum einen aus Höflichkeit, zum anderen aus Egoismus andere reden lies und gern Klügeren zuhörte. Wir waren auf der Dahlienterrasse im Clara-Park. Es war Sommer, und meine Kumpel und ich zogen in Jeans und offenem Hemd von Kneipe zu Kneipe. Wir wollten uns keineswegs besaufen, auch wenn deswegen unser Trüppchen immer kleiner wurde. Jedenfalls wurde ich nicht gestört, als mich ein junger Mann, ungefähr zehn Jahre älter als ich, ansprach und mich auf ein Glas Wein einlud. Eine Atmosphäre, die vielleicht nur noch Jugendliche kennen. Geprägt von Offenheit, Neugier, Abenteuer, Sehnsucht. Ich nahm diese Einladung gerne an, ich hatte genug vom Herummarschieren und dem Demonstrieren unserer langweiligen Lässigkeit. Er hieß Peter, verdiente seinen Lebensunterhalt mit der Herstellung von Bongos und besaß einen alten weißen, einen ganz weißen alten Wolga. Ich ließ ihn reden und erfuhr, daß er auf der Suche nach dem weißesten Weiß und schwul sei. Ungefähr so, als sagte er mir, wie spät es wäre. Ich erzählte ihm von meinem Stand der Dinge. Ich sei ein aufsässiger dummer Junge, der erst jetzt gemerkt habe, wie er sich mit Bockigkeit und Trotz ins eigene Fleisch schnitte, daß ich jetzt irgendwann zur Fahne müsse, keinen Bock darauf und derzeit kein Mädchen hätte und nun doch lieber geradewegs Arzt werden wolle. Peter vermittelte mir nicht nur das Gefühl, zuzuhören, sondern auch, an dem, was ich plapperte, interessiert zu sein. Wir unterhielten uns prima. Er wünschte mir alles Gute und sagte, daß ich schaffen würde, was ich mir vornähme. Wir lernten uns wirklich innerhalb einer Stunde gut kennen und verabredeten uns. Ich wollte ihm ein paar Akkorde auf der Klampfe beibringen, er wollte mir zeigen, wie man Bongos baut. Er baute einfach jeden Monat auf Bestellung exakt zwei Stück für eintausend Mark. Kunststoff und Ziegenfell. Ich freute mich sehr, einen fremden Menschen getroffen zu haben, der ein richtiger Freund werden konnte und es geworden ist. Ich habe bisher wahrscheinlich mit mehr als zehntausend Menschen geredet, aber niemals mehr etwas von diesem Gefühl verspürt, was ich gerade vermitteln will, jedoch nicht wirklich zu vermitteln vermag. Nun leben wir ja nicht nur von Luft, Bits und Bytes, obwohl es manchmal so aussieht. Ich weiß, es ist vielleicht reizvoll, auf FB einen Witz zu posten, über den mehr als eine Handvoll Freunde lachen oder eine Information, die man als wichtig ansieht. Was ich sagen möchte, auf FB habe ich wie im richtigen Leben eine gute Handvoll Menschen getroffen, die mich so schätzen wie ich sie, und dafür möchte ich mich bedanken. Aber das Beste an FB ist, daß es den Leuten, denen man im Leben aus dem Wege gehen kann, eine riesige Plattform bietet, von der sie mich täglich beschallen. Unanständig, laut, ungebildet. Es gibt nur eine Möglichkeit für mich, dem zu entgehen. Mal abschalten. Informationen gibt es im Internetz noch zu Hauf. Und wenn man einen Kopf hat, der nicht nur davor schützt, daß es nicht in den Hals regnet, kann man schon einen Überblick über was auch immer bekommen. Es sind nicht die Sperrungen, denen ich auch ausgesetzt war. Oder die sogenannten Gemeinschaftsstandards. Es ist der Morast, der einem über den Kopf wächst. Es ist die Sprache. Das Linke. Das Grüne. Ihr wißt schon. Dem war ich doch längst glücklich entronnen. Von einigen habe ich die Mailadressen, und ich würde mich freuen, wenn wir in Kontakt blieben. Auch werde ich FB nicht löschen, denn ich spiele gerne mit vielen Leuten Scrabble über diesen Server. Mir geht es gut, und nicht nur, wenn ich am Meer bin und an Ihr wißt schon wen denke. Machts gut. Laßt Euch nicht unterkriegen. 



Ne Predigt.  Wir wundern uns über die Streifen am Himmel, aber dann gucken wir wieder nach unten, zurück oder verschließen unsere Augen. Würden wir uns auch so verhalten, wenn plötzlich jeden Tag mehrere Känguruhs über unsere Wege hüpften? Bestimmt. Die gehören ja ebenfalls dazu, so wie die messerstechenden, machetenschwingenden und amokfahrenden Zeitgenossen. Alles Gottes Geschöpfe. Wie der Wal, das Nashorn, die Tarantel, der Kugelfisch und die Beutelratte. Vergessen wir nicht die Politiker, die Journaille, den Klerus und die Untertanen. Mein Abitur habe ich im Abendstudium an der Volkshochschule erworben. Es war billig und kostete pro Semester nur achtzig Ostmark. Wir lernten damals nicht, daß die Erde flach ist, daß alle Menschen gleich sind und daß der Islam eine Friedensreligion ist, die zur DDR gehört. Wir haben uns nicht gewundert, daß Flüchtlinge an der Grenze erschossen wurden, nicht darüber, was politische Häftlinge zu berichten hatten und schon gar nicht darüber, daß erst Rentner über die Grenze in den Westen gelassen wurden. Kurz, wir haben am eigenen Leibe erfahren, daß die DDR ein Unrechtsstaat war. Das System war brutal, aber jeder konnte es wissen, der nicht auf den Kopf gefallen war. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich genügend Menschen fanden, die Montags demonstrierten und naiv kundtaten, daß sie nichts , aber auch gar nichts zu verlieren hätten, wenn Honecker nebst Gattin nach Chile verschwänden, die Grenze geöffnet und die DM-Mark Zahlungsmittel wäre. Man kannte zumindest den Begriff Freiheit. Der DDR-Bürger war nicht nachtragend. Zu Zeiten der französischen Revolution wären wohl selbst die Nachkommen der verantwortlichen Politiker geköpft worden, und uns wäre einiges erspart geblieben. So dachte ich jedenfalls und zu meiner Entschuldigung muß ich sagen, daß mir damals Jesus noch völlig fremd war. Es ist wahrscheinlich immer so. Ein Teil der Leute geht ehrlich arbeiten, ein anderer geht in die Politik oder macht andere sinnlose oder strafbare Dinge. Jeder weiß das oder jeder könnte es sehen, wenn es ihn interessierte. Und wenn die Wessis nicht immer so arrogant gewesen wären, hätten wir ihnen verraten können, wohin die Reise mit den DDR-Kadern gehen wird. Allerdings schlackern dem echten Ossi heute auch vor Verwunderung die Ohren, was so alles möglich ist, wenn man den Kompaß der Untertanen verstellt. Mir war bis vor Kurzem gar nicht klar, was alles schiefläuft. Ich hatte nicht berücksichtigt, daß der Mensch auch essen muß. Essenmarken bekommt man durch Wohlverhalten oder redliche Arbeit. Aber schade ist es schon, daß man vielleicht durch Kondensstreifen, Schutz-Impfungen und wunderbar farbige Chemie vergiftet wird. Man weiß es ja nicht genau. Gell? Das Angebot an Informationen ist jedenfalls inflationär, und der gesunde Menschenverstand ist auf der Strecke geblieben. Nein, er ist nicht einfach auf der Strecke geblieben. Er wurde bewußt gekillt. Kein Mensch braucht einen Staat und unendlich viele Schmarotzer. Ein gottesfürchtiger Mensch würde dies wissen. "Alles, was ich Euch gebiete, das sollt Ihr halten und danach tun. Du sollst nichts dazutun und nichts davontun." 5. Mose 13.1 



Ich würde es wieder machen. Weggehen. Auch wenn es schwerfällt, sein geliebtes Land, die Heimat zu verlassen. Ich möchte lieber arm und ehrlich an einem warmen Strand schlafen, als mich gemein machen mit dem, was ich verachte. 

Ich würde es immer wieder tun, auch weil ich nicht weiß, wie man allein gegen einen Moloch gewinnen kann. Ich habe viel versucht. Gespräche frontal, meine Stellung ausgenutzt. Dem System ist es egal, wie es uns geht. Es lacht hämisch.
Mir wird es nie egal sein, und ich werde da sein, wenn es darum geht, dem zunehmend zahnlosen, aber brutalen Goliath in den Arsch zu treten. Aber bis dahin wird wahrscheinlich soviel Zeit vergehen, in der ich auch getrost sterben kann. Eine Endlichkeit Trostlosigkeit ohne Gott. Oder unendlichen Trost mit ihm. Was für ein tröstliches Wortspiel. 



„...Leistet passiven Widerstand – Widerstand -, wo immer Ihr auch seid, verhindert das Weiterlaufen dieser atheistischen Kriegsmaschine, ehe es zu spät ist, ehe die letzten Städte ein Trümmerhaufen sind, gleich Köln, und ehe die letzte Jugend des Volkes irgendwo für die Hybris eines Untermenschen verblutet ist. Vergeßt nicht, daß ein jedes Volk diejenige Regierung verdient, die es erträgt!…

http://www.marcogallina.de/2016/06/30/ist-es-nicht-so-dass-sich-jeder-ehrliche-deutsche-heute-seiner-regierung-schaemt/


Vertrauen. Meiner Großmutter habe ich vertraut. Blind. Meinen Eltern immerhin mit einem blinzelnden Auge. Anderen? Ja, leider auch und dann Kawumm, Pardauz, großes Kino. 

Nun, Ihr wißt, ich bin ein alter weißer Mann mit Hang zu Blickdiagnosen. Warum ich diese allerdings offenbare, verstehe ich derzeit noch nicht, denn für mich war Freiheit in jungen Jahren kein Thema. Ich war frei. Zu spielen, wo ich wollte, zu spielen, mit wem ich wollte. Ohne Helmchen, Netz und doppelten Boden sprangen wir in einer Sandgrube todesmutig auf unbekannten, zum Glück weichen Untergrund. Wir spielten Indianer und schlichen uns im hohen Futtergras am wilden Hund vorbei, der die Plantage mit Paradiesfrüchten bewachte. 

Als ich älter wurde, war ich nicht so ohne weiteres frei. Ich mußte mir die Freiheit nehmen, und ich nahm sie gern. 

Ich spielte deshalb auch manchmal alleine, weil die anderen keinen Dittrich besaßen, um aus ihrem Gefängnis zu entkommen. 

Dann sagte mir ein Untersowieso zur Musterung, kein Unter aus dem Skat, den man gerne nimmt, sondern ein pickliger pausbackiger niederer Offizier, "Hey, junger Freund, wissen Sie, daß uns ihr Medizinstudium achthunderttausend Mark kostet? "

Ich sagte schon damal sehr gerne "Ach?" und war witzig kreativ, was meine Ausmusterung betraf.

Zum Rauchen. Ich fand Rauchen als Junge toll. Vielleicht lag es an den lustigen Kringeln, die ein Alter in der Dorfkneipe mit dem Zigarettenqualm formte, vielleicht allerdings auch an meiner von vielen heute so beschworenen dummen Frechheit, daß ich mit dreizehn anfing, mir diesen Stoff zu besorgen. Klingt lustig, wenn man besorgen sagt, non? Jedenfalls, und dafür lege ich heute noch meine Hand ins Feuer, die Schwuchteln rauchten nicht. Niemals. Das ist eine Offenbarung für mich, aber ich möchte nicht darüber reden. Meiner kleinen Tochter habe ich zur Abschreckung manchmal eine Ladung Rauch  ins hübsche Gesicht geblasen. Meines Wissens raucht sie heute nicht. Das spricht zumindest ein wenig dafür, daß ich schon weiß, auf welchen Teufel ich mich mit dem Rauchen eingelassen habe, aber ich weiß auch, daß es andere einen gottverdammten Kehrricht angeht, welche Sünden ich begangen habe, genauso wie ich mich einen was weiß ich um die Sünden anderer schere, die vorgeben, mein Freund sein zu wollen und mich dennoch gern zerpflücken. Ich schweife ab. Rauchen ist für mich heute so ein wenig wie das freiwillige Abbiegen in eine Einbahnstraße, an deren Ende sich eine Schlucht befindet. 

Was ich eigentlich sagen wollte. Die Freiheit, das zu tun, was man will, was man kann, die Freiheit, auch einmal sagen zu können: "Ich weiß nicht", und die Freiheit, sich so zu fühlen, wie man es mag, an einem Ort, den man liebt, zu einer Zeit, die man schätzt, egal, der Wunsch, frei zu sein, zu werden, zu bleiben, ist Menschenrecht, und dafür würde ich sterben. Aber selbst damit möchte ich niemandem schaden. Kann ja sein, daß er es bedauert, mich an die Freiheit verloren zu haben. So einen Konflikt würde ich dann wieder gerne versuchen, zu lösen. Das geht dann allerdings nicht so blinkiwinki, wenn man Lungenkrebs hat oder ein garstiges Lungenemphysem.


„...Jetzt kommt es darauf an, sich gegenseitig wiederzufinden, aufzuklären von Mensch zu Mensch, immer daran zu denken und sich keine Ruhe zu geben, bis auch der Letzte von der äußersten Notwendigkeit seines Kämpfens wider dieses System überzeugt ist….

http://www.marcogallina.de/2016/07/07/und-wieder-schlaeft-das-deutsche-volk-in-seinem-stumpfen-bloeden-schlaf-weiter/



„...Unser heutiger „Staat“ aber ist die Diktatur des Bösen. „Das wissen wir schon lange“, höre ich Dich einwenden, „und wir haben es nicht nötig, daß uns dies hier noch einmal vorgehalten wird.“ Aber, frage ich Dich, wenn Ihr das wißt, warum regt Ihr Euch nicht, warum duldet Ihr, daß diese Gewalthaber Schritt für Schritt offen und im verborgenen eine Domäne Eures Rechts nach der anderen rauben, bis eines Tages nichts, aber auch gar nichts übrigbleiben wird als ein mechanisiertes Staatsgetriebe, kommandiert von Verbrechern und Säufern?…

http://www.marcogallina.de/2016/07/14/wenn-aber-ein-mensch-nicht-mehr-die-kraft-aufbringt-sein-recht-zu-fordern-dann-muss-er-mit-absoluter-notwendigkeit-untergehen/